Über die Unabhängigkeit von Gründerszene, Journalismus im allgemeinen sowie TEV und die Samwer Brüder

Eines meiner ersten persönlichen Blogs hiess ‘Gründerszene‘. In diesem berichtete ich über die deutsche (Internet-)Gründerszene.
Irgendwann habe ich aber aufgehört zu schreiben – auf der einen Seite, weil ich wenig Zeit hatte und auf der anderen Seite, weil es – vor allem im Zusammenhang mit Skandalen und Skandälchen rund um StudiVZ sowie entsprechende Hetzkommentare/ Hetzartikel in anderen Blogs – keinen Spass mehr gemacht hat. Da es aber zu schade war, Gründerszene einfach so sterben zu lassen, haben wir (= Kolja und ich) das Ganze am Leben gehalten und nach und nach zu einem professionellen Blog mit eigener Redaktion etc. entwickelt.

Wie sind sehr stolz darauf, das Gründerszene heute (wieder) eine Institution im deutschen Internet ist – dies ist vor allem dem aktuellen Team Mark & Joel zu verdanken, aber auch den zahlreichen Leuten, die uns in Zwischenphasen unterstützt haben (Matthäus K., Jan B., Michael F. – thx! :) .

Warum machen wir Gründerszene eigentlich? Hmmm, weil wir start ups lieben. Weil ich Journalismus und schreiben liebe. Weil die ursprüngliche Vision von Gründerszene immer noch Bestand hat: die Gesichter hinter der Szene zu zeigen. Sie nahbar zu machen. Die Spieler der Szene vorzustellen und zusammen zu bringen. Berührungsängste ab zu bauen (aktuelle Vision hier).

Das (Internet) Start Up Ökosystem in Deutschland hat sich in den letzen Jahren wunderbar entwickelt, und ich bin stolz darauf, mit Gründerszene einen Beitrag dazu geleistet zu haben und weiter zu leisten.

Ich bin Philanthrop aber ein gute Philanthrop hat auch seinen eigenen Vorteil im Blick. Ich profitiere von Gründerszene natürlich auch persönlich. Alleine schon deswegen, weil ich als einer der führenden Spieler der Szene grundsätzlich davon profitiere, wenn sich unser Ökosystem entwickelt. Und natürlich auch, weil ich als einer der Gesellschafter von Gründerszene nahe dran bin und die Redaktion gut kenne und einen guten Draht habe. Dass heisst aber NICHT dass ich Themen vorgeben kann. Die Redaktion ist unabhängig, es gibt nicht etwa wöchentliche Redaktionssitzungen an denen ich oder ein anderer Vertreter von Team Europe teilnehmen. Es gibt Monatsmeetings mit der Geschäftsleitung – mit Kolja als TEV Vertreter. Da werden aber keine Artikel besprochen sondern wirtschaftliches und die grobe Linie vom Produkt und wie man es weiterentwickelt (Machen wir eine Datenbank oder internationalisieren wir lieber?).

Wenn wir etwas von der Redaktion wollen, müssen wir genauso vorgehen, wie jeder andere auch. Jeder, der Journalisten und Journalismus kennt, weiss, wie das Spiel funktioniert. Journalisten wollen Informationen, sie wollen Unabhängig sein, sie wollen gut behandelt werden, und wenn man ihnen einen Gefallen tut und nett ist, dann revanchieren sie sich auch. Sie sind aber extrem empfindlich, wenn man sie kaufen will, etc. Genauso ist das hier. Klar haben wir einen gewissen Vorteil, weil wir Gesellschafter sind. Aber wir haben auch viele Nachteile dadurch – sei es, dass und die Kommentatoren Einflussnahme vorwerfen, oder dass uns befreundete Unternehmer oder Portfolio Geschäftsführer in den Ohren liegen, weil ihnen etwas an einer Berichterstattung nicht gefällt. Und wir immer wieder erklären müssen, dass Gründerszene eben nicht unsere PR Abteilung ist und es keinen Durchgriff gibt.

Vielleicht am deutlichsten äußert sich das im Bezug auf die Samwer Brüder. Da sie sehr erfolgreich sind, dabei kontroverse/ polarisierende Praktiken verfolgen und in bestimmten Bereichen Marktführer sind, sind sie interessant und ein Magazin über Start Ups wird zwangsläufig viel über sie berichten. Das heisst nicht, dass es von TEV gesteuert ist, im Gegenteil, wenn wir tatsächlich Konkurrenz sind (in den meisten Bereichen nicht der Fall, man schaue sich mal die Portfolios an), dann wäre es eher im Interesse von TEV nicht über sie zu berichten. Unabhängig davon ob Artikel kritisch sind oder nicht – every PR is good PR, lautet der Spruch. Und auf Gründerszene gibt es auch genug neutrale und positive Artikel über die Samwers. Wenn über deren SEO Strategie berichtet wird, bringt dass TEV gar nichts, ganz im Gegenteil, auch wir haben kein Interesse daran, dass Online Marketing Strategien öffentlich breitgetreten werden. Unser Interesse wäre also eher, gar nicht zu berichten. Dann würden wir einen wesentlichen Teil der deutschen Gründerszene einfach ausblenden – dass würde auch niemand wollen. Weder die Redaktion noch die Leser.

Und ich bin sicher, dass über die TEV Startups auch noch genug berichtet werden wird. Sowohl positives, als auch negatives. Unser Portfolio ist aber einfach noch sehr jung, TEV gibt es ja erst etwas über zwei Jahre. Dass muss sich mit der Zeit noch entwickeln. Genauso wie die CEO’s aller anderen Start Up’s müssen unsere CEO’s ihre eigenen Kontakte zur Redaktion unterhalten.

In diesem Sinne – für Unternehmertum! Für Europa! Und für die menschliche Vernunft :)