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Bertelsmann und ‘increasing activities in digital media’

Lese gerade im economist (the world this week – fasst alles ‘wichtige’ der aktuellen Woche auf zwei Seiten zusammen):

“Bertelsmann posted its first yearly net loss in three decades. Along with others in the industry the German media conglomerate, Europe’s biggest, suffered from a sharp fall in advertising revenue, though it expects to return to growth this year by increasing its activities in digital media.”

Hmmm. Irgendwie sehe ich weder Bertelsmann oder deren Töchter so wirklich im Bereich digital media. Ich habe keine Ahnung, was die da increasen wollen noch in diesem Jahr. Das letzte was ich gesehen habe war scoyo – eine Katastrophe… ein Lehrstück, wie corporate Innovationsmangement leider allzuoft als Millionengrab endet. Und dass Leute kommen und gehen bei Gruner und Jahr. Ich mag falsch liegen, aber in meiner Wahrnehmung ist Bertelsmann superweit zurück hinter anderen Medienhäusern in Deutschland (Holtzbrinck, Burda, Springer sowieso… selbst die regionalen sind hier deutlich weiter).

Ich stelle mir Bertelsmann so vor: RTL macht viel Geld, Buchclub auch noch, aber das wird sich bald ändern. Arvato macht Geld behind the scenes, alles andere verliert und frisst die Gewinne wieder auf. Und vor allem im Bereich Innovation oder Digital Media sehe ich nixx. Und da Buchclub und RTL Industrien sind, die Innovation brauchen, sehe ich schwarz – von den Print Titeln mal ganz zu schweigen. Kaum sichtbare Venture-Aktivitäten, keine signifikanten M&A Deals, keine erfolgreichen Innovationen, nichts. Vielleicht kriege ich es aber auch nicht mit, weil Bertelsmann als global Player das alles irgendwo ausserhalb Deutschlands macht? Oder zwar in Deutschland aber in Gütersloh-Pampa, und eigentlich ist alles super, nur wenn man wie ich das Manager Magazin nicht liest kriegt man’s nicht mit?

Also, ich bin kein Bertelsmann Experte und schreibe das hier spontan ohne Recherchen… ich finde es aber schon erstaunlich, wie das Unternehmen offenbar an einem signifikanten Teil der deutschen Internet-Unternehmer Szene vorbei wirkt.

Wenn mein Eindruck stimmt, ist das irgendwie traurig. Ist doch schade, dass ein solcher biggie hier untergeht. Brauche ich auch im eigenen Interesse, schliesslich muss ja jemand unsere Start Ups kaufen! ;)   – zumindest bis wir stark genug sind oder genug Glück haben, dass wir nicht mehr zu verkaufen brauchen ;) Ernstahft, es wäre nicht schön, wenn alle großen Medienfirmen immer nur in den USA sind (in Frankreich gibt’s auch noch eine große, sind aber Franzosen ;)

Mich würde interessieren, wie die anderen darüber denken/ welche infos sie haben. Maybe I miss something.

Aber derzeit wirkt es für mich wie

Der schleichende Verfall eines deutschen Medienriesen – Bertelsmann, ein Trauerfall

Erinnert mich irgendwie an Opel (‘Neue Autos für frisches denken’ – oder wie war der claim? Jetzt ist er ‘Wir leben Autos’ – haha) sowie an Arcandor.
Will see.

Die Sache mit dem Gutmenschentum

Einige Zeit ist nun seit meinem Post über soziales Engagement vergangen (“es geht um die Note“).

Ich für meinen Teil habe mich in der Zwischenzeit nicht wirklich sozial engagiert und bin auch über nichts gestolpert, was mich wirklich begeistert hätte.

Heute hatte ich aber zwei Gespräche in die Richtung, welche das Thema wieder auf den Plan rufen. Das eine war mit Paula von http://www.laurelscookies.com/ und das andere mit jemandem, der sich aus ‘we want to change the world’ Gesprächen im Rahmen einer Konferenz ausgeklinkt hat (weiss nicht, ob der genannt werden will).

Wie auch immer, ich bin derzeit beschäftigt mit dem Aufbau von Team Europe Ventures und da geht viel Zeit rein – die ‘schulde’ ich auch meinem Team und meinem Portfolio. Also verfolge ich daneben nichts aktiv. Habe aber meine Augen offen.

In – wirklich sehr bescheidenen Umfang – unterstütze ich ab und an Steps4Children. Das Projekt finde ich von der Umsetzung sehr gut. An der Spitze steht ein erfahrener Unternehmer und das ganze ist recht nachhaltig und unternehmerisch/ skalierbar ausgelegt. Aber Afrika ist nicht wirklich mein Thema, ich habe da wenig Bezug. Und mir zu wenig Gedanken gemacht, um zu entscheiden, ob das der wichtigste Hebel in meinem Wertesystem ist, an dem man ansetzen kann.

Weiter habe ich Dagmar Quentin kennen gelernt. Sie macht ‘Cinema Jenin‘, ein Projekt in Palästina mit dem Ziel, Begegnungen zu schaffen zwischen Israelis und Palästinensern. Hat mir auch gefallen – wenn auch nicht unbedingt skalierbar, so doch dennoch inspirierend und schön. Aber auch hier, kein wirklicher Bezug.

Dann gibt es noch in meinem Umfeld die Noah Foundation (Gruß an Helen und David!), hier ist das Thema Madagaskar/ Afrika. Ich habe mich nicht tiefer damit auseinandergesetzt, ähnliche Zielsetzung wie Steps4Children, aber zumindest auf den oberflächlichen Blick weniger ausgeklügelt als Steps4Children (macht doch lieber ein s4c franchise!).

Überhaupt denke ich, dass es zu viele verschiedene Projekte gibt. Die Frau eines Mitarbeiters bei einem meiner Portfolio Unternehmen will z.B. auch auf eigene Faust Education Projekte in Afrika machen/ eine neue NGO gründen. So etwas erweckt bei mir immer den Eindruck, als denken die Leute eigentlich doch eher an sich und wollen sich produzieren/ kreativ sein und nicht wirklich helfen. Sonst würden sie sich bestehende Projekte suchen. Jedem, der sich in Afrika engagieren will, empfehle ich Steps4Children! Neulich hatte ich einen besonders anmaßenden Fall, ein Paar BWL Studenten wollten – recht offensichtlich für ihren CV – Beratung und Projektmanagement in Afrika machen. Die simple Idee: wir haben ja BWL know how, die Afrikaner können das nicht, also gehen wir hin und machen Projektmanagement für die und Beratung. Brrrrr, schrecklich.

Ach ja, dank Rene Seifert habe ich auch ungefähr einen halben Laptop (vermutlich eher ein viertel) gespendet.

Nun, was liegt mir – ausser Unternehmertum – nahe? Zum einen habe ich ein simples philosophisches Wertesystem. GDP ist schön und gut, viel schöner ist aber Wissen und Erkenntnis (am Ende müssen wir die Entropie mehren! Ist halt so.). Um Erkentniss zu mehren, brauchen wir Erziehung/ Bildung. Bildung ist gut, fördert den Wissensausstoss. Und nebenbei sorgt es auch für Wohlstand und tendenziell Glück (obwohl Glück und Wohlstand nur bedingt korreliert sind). Also, mit Bildung kann man nicht viel falsch machen.

In meinem persönlichen Hintergrund (Immigrant mit 8 Jahren aus Polen) spielt Integration eine wichtige Rolle. Ich hatte hier ziemlich Glück und wurde super integriert – nicht zuletzt durch das Engagement von einzelnen spezifischen Personen. Beispiel: Ich war der einzige nicht-deutsch sprechende in meiner Grundschulklasse – praktisch.

Nun, der Hebel ist da am größten, wo das Gefälle zwischen Potential und Realität am höchsten ist. Wenn ich das Leben von einigen Personen so positiv beeinflussen könnte, wie es einst für mich die engagierten Leute in Kassel getaen haben, wäre das schön (btw., meine Kassler Helfer waren CDU Stammwähler! Und auch ein Paar Lehrer, von denen ich viel verdanke, z.B. doch nicht von der Schule zu fliegen – gruß an Kappe ;) . Und das Potentialgefälle ist sicher bei Migrationshintergründen am höchsten. Da hört man gerade in Berlin so manche Horrorstory. Wenn ich einmal aktiv werden sollte, dann ist das eine potentielle Richtung. In der Zwischenzeit halte ich die Augen offen, ob es etwas cooles – inspirierendes oder skalierbares und in jedem fall mit chemisch kompatiblen Leuten – in diese Richtung gibt.

So, genug Gutmenschentum, back to the rat-race & schönen Abend! ;)

Über Datenschutz und Innovation – mein erster Gastbeitrag auf The European

Gemeinsam mit Alexander Görlach haben wir (=Team Europe Ventures) letzen Herbst das Autoren- und Debattenmagazin ‘The European‘ gestartet (siehe auch älterer post).

Nunmehr bin ich dort auch als Autor aktiv und gestern wurde mein erster Beitrag veröffentlicht – sehr schön, und gibt gleich ein wenig Debatte (siehe dortige Kommentare), so soll es sein :)

Verkürzt sagt der Artikel: im Rahmen der Datenschutzdebatte keine politisch-populistischen Scheindiskussionen führen, welche nebenbei auch noch Innovation Steine in den Weg legen, sondern sich dem Kern der Probleme annehmen – konstruktiv sein statt destruktiv. Proaktiv statt blockierend.

p.s.: liebe The Euroepan Schlussredaktion, vielen Dank für das Bereinigen der Rechtschreibfehler in meinem Artikel! Aber: warum ist eigenlich euer ‘wer zum Henker ist’ besser als mein Original ‘Who the f**k ist’? Künstler reagieren hier gaaaanz sensibel ;)

home sweet home

Die Wahrscheinlichkeit, im vereisten Berlin beim Gehen auszurutschen und hinzufallen ist diese Tage recht hoch. Ich denke, diese Erfahrung werden einige gemacht haben. Die Wahrscheinlichkeit, sich dabei ein Bein zu brechen, ist hingegen glücklicherweise sehr gering. Sehr gering heisst aber dennoch > 0.

Nachdem ich seit Samstag Nachmittag das Klinikum Friedrichshain näher kennen lernen durfte, hiesst es nun – home sweet home. Ein hoch auf die westliche Gesundheitsinfrastruktur!  Vielen dank an die ca. 20-30 Pfleger, Ärzte, Bettenschieber etc. die sich um mich gekümmert haben! Vielen Dank, an den Passanten der den Krankenwagen für mich gerufen und mich mit Decken versorgt hat! Vielen Dank an dir Krankenwagenfahrer, welche in rekordverdächiger Zeit am Ort waren (ich denke das waren 3 Minuten… o.k., vielleicht auch  5…, schon cool!). Vielen Dank an Steffen, der mir Montag früh parallel zu diversen Vertragsverhandlungen mein neues MacBook ans Bett geliefert und eingerichtet hat :)

Ernsthaft, ein Beinbruch ist in gewissem Sinn ‘kein Beinbruch’, aber auch nicht das allerschönste was einem passieren kann (Vollnarkose und so). Es ist ein gutes Gefühl, das Menschen da sind, die sich um einen sorgen – sei es die Profis aber auch die Familie und das Soziale Umfeld per sms, Mail, Telefon, Besuch, etc. Also noch einmal ernstgemeiner Dank!
Einziger Wermutstropfen: warum muss ich 5 Wochen Krücken haben und die Kollegen vom Fussball dürfen schon zwei bis drei wochen nach ihren Brüchen wieder auf’s Feld? Ich rieche Ungerechtigkeit… die Welt braucht uns… wir sind hier, um sie zu gestalten… ;)

Von innovativen Helden-VC’s

Also, da sag mal einer, VC’s wären nicht kreativ oder innovativ… ganz im Gegenteil! Wie auch folgender Comic-Strip vom französischen (aber auch in DE aktiven) VC Partech zeigt. Nicht nur kreativ-innovativ, sondern auch ein wenig heldenhaft. Irgendwie mutig. Bin gespannt auf die Fortsetzung!

partech-comic

partech-comic

Was macht eigentlich… Sponsorpay!? Eine Gründungs und Hintergrundgeschichte

Ein Beitrag zum Launch von Sponsorpay hat hier leider aus Zeitgründen noch nicht stattgefunden. Das möchte ich nun gerne nachholen und auch etwas zum aktuellen Stand schreiben.

Sponsorpay ist eines der jüngsten ‚Company Building‘ Projekte von Team Europe Ventures und im Inhalt eine Plattform zur besseren Monetarisierung von virtuellen Gütern, insbesondere im Rahmen von Online Spielen.

Die Geschichte ist eigentlich ganz einfach – Online Spiele, vor allem Browser-Spiele, sind eines der am schnellsten wachsenden Segmente im Internet. Deutschland und Europa sind auf diesem Feld recht stark. Populäre Vertreter sind etwa Gameforge, Bigpoint, Playfish, Zynga (US) oder Sulake (Habbo Hotel). Nun finanzieren sich die meisten dieser Spiele über sogenannte virtuelle Güter – der Spieler kann sich Vorteile oder Annehmlichkeiten im Spiel gegen echtes Geld kaufen. In der Regel erwirbt er dazu in der jeweiligen Spielwelt so etwas wie Juwelen oder Gold und kann dieses dann entsprechend einsetzen. Zumeist kann man die Spiele auch umsonst spielen, und nur eine geringe Anzahl von Spielern bezahlen dann tatsächlich – in der Regel sind das zwischen 5 und 10%. Mit anderen Worten: 90-95% der Spieler spielen umsonst! Und hier kommt Sponsorpay ins Spiel (jaja, schöner Kalauer). Wir ermöglichen dem Nutzer, sein virtuelles Gold nicht mit Geld, sondern über das ausführen gewisser Aktionen bei einem unserer Partner zu erwerben. Daher auch der Name Sponsorpay – wir suchen quasi Sponsoren, welche das virtuelle Gold für einen bezahlen. Z.B.: kauf ein Buch bei Amazon und Du kriegst etwas Gold für Farmeville. Oder den Premium Account bei Travian. Oder melde Dich bei Brands4friends an und Du kriegst ein Paar Juwelen für Case White obendrauf. Oder fülle eine Umfrage aus. Oder oder oder.

Im Effekt führt das dazu, das sich die Quote von Spielern die ‚bezahlen‘  schnell verdoppeln kann. Umsatzmäßig ist der Effekt allerdings geringer, liegt eher so zwischen 10 und 30%. Das ist aber immer noch sehr viel – Gameforge z.B. macht einen dreistelligen Umsatz. Den mal eben um diese Prozentzahlen zu erhöhen ist schon attraktiv…

Natürlich ist es auch so, dass solche ‚incentivierten‘ Käufe auch Nachteile haben. So meldet sich z.B. vielleicht jemand bei brands4friends an obwohl er dort schon Mitglied ist. Er will halt einfach nur das Gold mitnehmen. Dieser Effekt ist klar und entsprechend sind die Leads für Werbetreibende meist etwas billiger als aus anderen Quellen. Zudem ist es unser Job bei Sponsorpay, die Qualität durch vielfältige Maßnahmen zu erhöhen (also viel IT, targeting, fraud prevention, etc. – ist auch eine Wettbewerbsbarierre). Das Ganze funktioniert trotz einzelner nachteiliger Aspekte immer noch sehr sehr gut.

Auch fragt man sich schnell, ob sich der Spieleanbieter nicht seine eigenen Kunden kannibalisiert, d.h. ehemalige Barzahler jetzt über Sponsorpay kaufen aber so weniger Umsätze machen. Dies ist aber empirisch nicht so, da es sich um unterschiedliche Kundengruppen handelt. In dem einen oder anderen Fall mag das passieren, auf der anderen Seite lernen vorher nicht zahlende Spieler die Vorteile der Bezahlvariante kennen und kommen auf den Geschmack, künftig auch in Cash zu bezahlen.

Das Ganze ist natürlich viel komplexer und hat noch viele Aspekte, klar ist aber, dass die Vorteile deutlich überwiegen – das ist sozusagen empirisch belegt :)

Nun zurück zum unternehmerischen, wie kam es zur Gründung von Sponsorpay und was sind die Hintergründe?

Nun, gemeinsam mit Jan Beckers (Unternehmer & Venture Partner) und Janis Zech (Analyst mit festem Gründungsplan) hatten wir schon eine geraume Weile nach einer Idee gesucht. Die Ansprüche an eine passende Idee waren hoch und so haben wir über 3 Monate geforscht und überlegt. Eines Tages kam dann über einen Kontakt aus dem Silicon Valley der Tipp, sich doch mal Offerpal genauer an zu schauen.

Das Team war sehr schnell begeistert von der Idee. Offerpal hatte gerade zweistellige Millionenbeträge an Finanzierung eingeworben und über informelle Kanäle wurde Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe kolportiert – und das nur zwei Jahre nach Gründung! Damit hat Offerpal noch besser ‚performed‘ als vergleichbare Anbieter, die es schon länger gab (im wesentlichen Trialpay, bei welchem auch der in Europa als top geltende VC Index Ventures investiert hat).

Auch sind unsere Kriterien für Eigengründungen erfüllt – wir wollen da in der Regel Potential sehen, dass ein Unternehmen nach zwei bis drei Jahren 100 Mio oder mehr wert ist (ich weiss, superhoher Anspruch… wir wollen aber zumindest das Potential und es gibt sie, diese Ideen…).

Aber es gibt ja viele Finanzierungen in zweistelliger Millionenhöhe im Silicon Valley und noch mehr Unternehmen die dreistellig werden können, was macht diese für uns so besonders?

Erstens hatten wir uns in den Monaten zuvor intensiv mit dem Markt von Online Spielen beschäftigt und nach einer passenden Gründungsidee oder Investitionsmöglichkeit gesucht. Somit waren wir mit den Begebenheiten vertraut und konnten schnell auf ein Netzwerk an Kontakten zurückgreifen, um das die Gelegenheit zu evaluieren und ins Laufen zu bringen.

Weiter hatten wir in anderem Zusammenhang auch mit Gameforge zu tun. Denen gefiel die Idee ebenso und es gab somit eine hohe Wahrscheinlichkeit (sicher kann man sich nie sein), Gameforge als einen der ersten Kunden zu gewinnen. Ein solcher strategischer Baustein ist in der Gründungsphase immer sehr wichtig, da er erfolgreich eingesetzt, erheblich dazu beitragen kann, eine Positivspirale in Gang zu setzen (Siehe z.B. auch StudiVZ als Distributionspartner bei den Gründungen von Brands4friends und Absolventa oder die ‚Heerschaar‘ ;) von Angels bei Madvertise).

Das ganze sah also ziemlich vielversprechend aus. Hatte aber allerdings einen Haken: Wir wussten, dass wir sehr schnell sein müssen. Einer der wichtigen Erfolgsfaktoren ist es, die Spielefirmen dazu zu bringen, Anbieter wie Sponsorpay einzubauen. Es ist klar, das es interessant für diese ist, aber auch klar, dass vielleicht maximal 2-3 Anbieter Platz auf dem Markt haben. Und wer als erster eingebunden ist, der ist entsprechend vorne auf der Lernkurve und kann sich so weiter entwickeln. To be late is not an option.

Mit DealUnited und Trialpay sind ähnliche Anbieter schon auf dem europäischen Markt. Die US Anbieter haben den Markt im Blick. Wir hatten zudem einen begründeten Verdacht, dass befreundete Unternehmer (also, gute Bekannte sozusagen) im Stealth Mode bereits seit sechs bis acht Wochen an einem ähnlichen Konzept arbeiten (der Verdacht hat sich im Laufe der Zeit verdichtet und dann später bewahrheitet ;)

Das Zeitfenster für einen Markteintritt war also sehr kurz und wir mussten uns mega-beeilen. Keine triviale Aufgabe, wenn man bedenkt, dass die Spielebranche sehr international ist, und es klar war, dass man somit gleich international starten muss, um Wettbewerbsfähig zu sein.  Es hieß also Vollgas geben. Jan und Janis haben alles andere sofort stehen und liegen lassen und sich 100% Sponsorpay gewidmet. Wir anderen mit einem signifikanten Anteil unserer Zeit. Hier hat sich die Struktur mit einem Venture Partner zu arbeiten, welcher sich schnell voll auf eine Sache fokussieren kann und keine andere Verpflichtung hat, als sehr erfolgreich erwiesen. Ebenso der ‚Deal‘ mit Janis, welcher uns als Analyst zur Verfügung stand, um sich auf eine eigene Gründung vor zu bereiten und in der Zwischenzeit mehr über die Märkte zu lernen und Kontakte zu knüpfen. So hatten wir sofort den Kern eine nicht nur excellenten sondern auch eingespielten Teams und konnten ohne Zeitverzug loslegen. Nicht zuletzt auch darum, weil wir über TeamEurope und komplettiert mit ein paar befreundeten Angels, die ersten Finanzmittel sofort zur Verfügung stellen konnten. Selbst Kleinigkeiten wie Vertragswerk (Gruß an Steffen ;) und sofort zur Verfügung stehende Büros können in solch einer Situation den entscheidenden Zeitvorteil bringen (jeder der schon einmal gegründet hat, weiss über spaßige aber Zeitraubende Ikea-Trips zu berichten… ;) . Nicht zuletzt hatten wir auch das Glück, das Team schon in der Gründungsphase mit einem erfahrenen unternehmerischen Manager zu ergänzen – Andreas Bodczek war vorher u.a. z.B. bei Telefonica Deustchalnd als Geschäftsführer für über 500 Angestellte verantwortlich und bringt auf diesem Feld das nötige Handwerkszeug mit.

Was dann folgte, war ein Wahnsinnstrip vor allem für Jan, Janis, Andreas sowie die ersten Mitstreiter, die an Bord kamen. Wenige Wochen nach Ideenfindung startete die Programmierung der Plattform und war etwas mehr als zwei Monate nach Projektstart in einer ersten Version live – und das international! Entsprechend schnell wuchs auch das Team, welches rasch zweistellig war und samt Praktikanten und ‚Freien‘ zum Launch im September bereits um die 30 Köpfe umfasste… also, von zwei auf 30 in nur zwei-drei Monaten…! Das ist natürlich nicht ganz risikofrei, mit Ineffizienz verbunden und auch kostenintensiv – mit einer Kostenbasis von 20-30 K zu Beginn kommt man hier nicht aus. Und Umsätze gibt es in der Anlaufphase auch noch nicht. Wenn man nicht wirklich muss, würde ich so ein schnelles Wachstum niemandem empfehlen (obwohl es schon eine besondere Erfahrung ist, wie jeder bestätigen kann, der so etwas schon einmal mit gemacht hat ;) .

In einem Start Up kann immer viel passieren und nichts ist sicher, aber Status Quo ist der Plan bisher gut aufgegangen und wir haben uns als einer der Führenden (o.k., DER Führende ;) Anbieter in Europa positionieren können. Also, the Jury is still out here, wie man im angelsächischen Start-Up Jargon gerne sagt… die wesentlichen Hebel sind jetzt weiter Spieleanbieter bzw. allgemein Anbieter virtueller Güter als Kunden zu gewinnen, und zum anderen immer mehr und mehr interessante Angebote zu guten Konditionen auf die Plattform zu kriegen (freuen uns hier sehr über leads von etablierten Anbietern, bitte direkt an Janis!).

Die Geschichte bleibt also spannend, nicht zuletzt, weil sich der Markt sehr schnell entwickelt (Der post ist schon lang genug, will hier nicht in die Tiefe gehen, aber z.B. das Stichwort ‚Scamville‘ oder ‘Konsolidierung‘). Also bitte Daumen drücken!

warum ich nicht an groupon in Europa glaube

Ganz einfach:

  • Coupon Kultur ist bei weitem nicht so ausgeprägt wie in den USA – sowohl auf seiten der Anbieter als auch Konsumenten. Sprich – Kommunikation viel schwerer, man muss den Markt erst erziehen…
  • Verstädterung ist kleiner als in den USA… dann auch noch Sprachbarierren… unlikely, that London and Paris will be ‚owned‘ by the same player
  • Kapitalintensiv (deswegen auch die hohen Runden… das sammeln der Angebote ist einfach Handarbeit!)… und EU hat keine starke Kapitalkultur (oder wie viele Start Ups kennt ihr, die mal eben 10 Mio Finanzierungsrunden machen?)
  • Wettbewerb – gnadenloser Wettbewerb! Dadurch Markt zersplittert und dann gibt es ein Paar ‚mom and pop‘ shops.

Also, alles in allem ‚not excited‘.
Aber, wie immer gilt: wenn ein Superstar-Team es macht, vielleicht dennoch einen Blick wert…

Übrigens schätze ich die Zahl der Groupon clones in Deutschland auf 5-10 aktuell im entstehen/ teilweise schon live.
In Europa entsprechend ca. 20+.
Gerne Kommentare mit Beschreibungen von den Clones, die ihr schon kennt/ Hinweise auf entstehende :)

Saul Klein über Seedcamp und Start Up’s in Europa

In einem ausführlichen Beitrag auf seinem Blog resümiert Saul Klein über die letzten drei Jahre Seedcamp sowie die Entwicklung und Perspektiven der Start Up Szene in Europa.

Ich habe das Seedcamp über die letzten Jahre verfolgt und war auf zwei der drei Hauptveranstaltungen in London als Mentor sowie auf einigen Mini-Seedcamps (ähnlich auch Kolja und Pawel).

Seedcamp ist ein aussergewöhnliches Unternehmen und – mag es auch etwas überzogen klingen – leistet tatsächlich unschätzbares für den Auf- und Ausbau der europäischen Tech-Unternehmer Szene.

Jungen Unternehmen bzw. Unternehmern wird ein hervorragendes Netzwerk geboten. Der Besuch der Hauptveranstaltungen lohnt sich meines erachtens in jedem Fall – egal ob man als Start-Up ‘gewinnt’ oder nicht. Es sind viele sehr erfahrene und erfolgreiche Macher der Szene vor Ort – und zwar europaweit, insbesondere also auch UK Unternehmer und solche aus den nordischen Staaten – diese lernt man in Deutschland oft gar nicht kennen, obwohl sie in dem Markt führend sind. Nicht davon zu reden, dass viele der Mentoren gleichzeitig auch hochkarätige Investoren sind. Und die Sessions sind so ausgelegt, dass man sich mit den Perosnen auch intensiv austauschen und gegenseitig kennen lernen kann. Ich empfehle die Teilnahme wirklich wirklich jedem Start Up!

Auch aus Investorensicht lohnt sich das ganze meines erachtens. Zum einen sind die Start Ups und die Gründer teilweise interessant (obwohl die Qualität sicher noch ausbaufähig ist) und auf der anderen Seite ist es auch eine gute Veranstaltung um selbst zu netzwerken (ich kombiniere es zudem immer mit anderen Terminen in London).

Dem Seedcamp fehlt aber noch etwas zum entgültigen Erfolg: eine plakative, durchschlagende, PR-affine Erfolgsstory. Diese gibt es bei kanpp 20 getätigten Investments noch nicht. Betonung dabei auf noch, ca. 1/3 der Investments sind erst drei Monate alt – da kann also noch einiges passieren. Ich bin mir zum einen sicher, dass eine solche Erfolgsstory zum einen nur eine Frage der Zeit ist, und dass das Seedcamp dadurch einen signifikanten Schub kriegen wird.

Aber auch ohne plaktives entwickelt es sich stetig voran. So war das Feeback für die teilnehmenden Unternehmen der Hauptveranstaltung in 2008 insgesamt recht durchwachsen. In 2009 war es schon positiver, die Unternehmen sind besser geworden. Und ich glaube, dass sie nächstes Jahr wieder besser werden, weil es sich unter den Unternehmern einfach rumsrpicht, welche Top Kontakte man machen kann. Qualität spricht sich rum (gerade unter guten Leuten), bessere Unternehmen kommen, dadurch kommen bessere Mentoren, usw. – eine Positivspirale nimmt so ihren Lauf.

Das einzige, was mir etwas negativ aufgefallen ist: in 2009 gab es etwas zu viele Mentoren und ehemalige Teilnehmer des Seedcamps werden bereits ein Jahr später als Mentoren eingesetzt. Auf der einen Seite cool, weil so das Netzwerk größer ist, auf der anderen Seite verwässert es etwas die Qualität des ganzen, da so leicht passieren kann, dass der der gementort wird seinem Mentor eigenlich mehr erzählen könnte… ich hoffe, dass die Macher da etwas gegenlenken.

Wie Saul in seinem Artikel richtig bemerkt, brauchen die Dinge ihre Zeit. Die Valley Szene ist ca. 50 Jahre alt, europäisches VC Backed Tech-Entrepreneurship erst ca. 15. Und einzelne Unternehmen brauchen in der Regel 5-10 Jahre um sehr erfolgreich zu werden – so auch das Seedcamp. Wenn die Jungs so weiter machen, bin ich sicher, dass es sehr erfolgreich werden wird und weiter unschätzbare Dienste leistet – und die erste Bilderbuchstory ist nur eine Frage der Zeit…

Soziale Netzwerke sind Durch

Immer öfter höre ich in Gesprächen, dass das Thema Soziale Netzwerke ‚Durch‘ sei. Mit anderen Worten, das Feld ist schon verteilt, Innovationen kann man nicht erwarten, aus Unternehmerperspektive nichts gründen und aus Investorenperspektive nicht investieren.

Wenn ich z.B. Investoren frage, welche Felder sie interessant finden, tauchen soziale Netzwerke oft auf der Negativliste auf. „Social nets machen wir nicht, wir brauchen was mit Umsatz z.B. E-Commerce“.

Für mich sind solche Situationen an sich schon interessant, weil ich Chancen für antizyklisches Handeln sehe. Ich glaube nicht, das im Bereich Soziale Netze schon alles erfunden worden ist, was man erfinden kann. Und wenn es gerade kein Hype ist, dann gibt es auch viel weniger Lärm/ Rauschen (‚Noise‘) in dem Bereich. Also gerade dann lohnend, sich mit dem Thema auseinander zu setzen – sei es als Unternehmer oder als Investor.

Im Bereich “Aggregieren von Sozialen Netzen” habe ich z.B. noch nichts gesehen, glaube aber, dass es ein großes Feld werden wird. Viele haben da auch schon darüber nachgedacht, aber noch niemand hat es geknackt…

Alexander Görlach und Team Europe Ventures gründen Online Magazin ‘The European”

Gemeinsam mit Alexander Görlach und meinen Team Europe Partnern haben wir ‚The European‘ auf den Weg gebracht. Wie bei Turi2 oder Meedia nachzulesen, haben wir das Projekt, an welchem wir seit einigen Monaten arbeiten, gerade öffentlich vorgestellt.

Der Launch wird Ende September erfolgen. Mehr kann man in den genannten Artikeln oder direkt bei The European lesen.

Die ersten Kommentare die ich erhalten habe, bezeichnen das als mutigen Schritt – gerade jetzt, wo die Krise viele Zeitungen und Magazine erfasst und allenthalben von Kürzungen und Umsatzeinbrüchen zu lesen ist, ein neues Magazin?

Hier die Gründe, warum wir The European machen:
- Die Vision für haben wir gemeinsam mait Alexander Görlach, dem Chefredakteur und Herausgeber entwickelt. Wir kennen uns noch nicht allzu lange (wer es genau wissen will: Walküre Filmpremiere ;) , aber zwischen ihm und dem gesamten Team Europe ist schnell eine gemeinsame Ebene entstanden. Letztlich haben wir Alex zu Unternehmertum inspiriert. Und er uns von seiner Vision für The European begeistert, die wir dann nach und nach gemeinsam verfeinert haben. Hinter der Gründung steckt somit der Glaube an eine sehr talentierte Person, welche absolut begeistert von dem Thema ist und hinter diesem steht
- Ferner sind wir selbst von dem Produkt überzeugt – wir haben hier etwas nues, womit wir eine Lücke schliessen. Die meisten Medien sind auf Nachrichten ausgerichtet, bei uns werden Meinungen stark im Vordergrund stehen. Es geht darum, zu erklären und Positionen darzustellen. Das grosse ganze zu einem Thema soll so schnell erfassbar werden. Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass vei The European die wirklich bedeutenden Stimmen zu Wort kommen. Die Entscheider kommentieren das Geschehen in Texten die eine Knappe dinA4 Seite lang sind, und ‚deuten‘ uns so die Welt. Keine klassischen Ressorts, stattdessen die Power des Netzes – Yeah!
- Weiter setzen einzelne Nachrichten unserer Meinung und Erfahrung nach oftmals viel zu viel Wissen beim Leser voraus. Sehr viele der Rezipienten für ‚anspruchsvolle‘ Themen haben dieses Wissen aber gar nicht! Die Leser sind Spezialisten auf bestimmten anderen Gebieten und haben eine begrenzte Zeit und Aufnahmekapazität. Erinnerungsvermögen tut das seinige. Ich bringe immer gerne das Beispiel: wer waren nochmal die Schiiten und wer die Sunniten? Hand aufs Herz, wer weiss es aus dem Kopf? Wer kann mit wenigen Worten ein ‚Big Picture‘ über die Schiiten bringen? The European benennt die Themen, bringt sie auf den Punkt, in ‚Magaziner‘ Form, nicht nur in Text, sondern auch in Fotostrecken und Videoformaten (Übrigens & vereinfacht: Schiiten gibt es übrigens nur im Iran und Nordirak – der Rest sind Sunniten
- Wir haben hier vom vom reinen Markterfolg her auch nicht den Anspruch, das nächste spreadshirt, studiVZ oder Brands4friends zu gründen – der erste Antrieb ist nicht, ein Unternehmen zu erschaffen, mit dem wir jetzt das meiste oder besonders viel Geld verdienen können. Klar muss & soll sich The European nicht nur tragen, sondern Gewinne abwerfen. Aber die Gewinnerzielungsabsicht steht für uns als Team Europe Ventures nicht im Vordergrund – wir finden Produkt und handelnde Peron cool & unterstützenswert
- Wir denken, dass nach wie vor Platz ist für werbebasierte Formate. Dabei orientieren wir uns weder am Performance noch am TKP Paradigma. Wir glauben, dass es eine Zahlungsbereitschaft gibt, wenn wir eine Top-Klientel ansprechen und ein hochwertiges Markenumfeld schaffen. Wir wollen auch mit anderen Arten der Monetarisierung experimentieren – ehrlich gesagt haben wir hier aber noch nicht die silberne Kugel gefunden. Aber das Werbung nun ganz und gar nicht funktioniert und total absurd sei, glauben wir nicht. Nochmals, Markenumfelder sind es. Zusätzlich muss man das gesamte Unternehmen über die einzelnen Entwicklungsphasen hinweg von der Kostenstruktur klug aufstellen.

Eine Erfolgsgarantie hat man bei Unternehmertum nie – aber von dem Rezept Qualität, Markenumfeld, harte Arbeit und schlanke Strukturen sind wir überzeugt.

Ich wurde auch gefragt, wir man uns unterstützen kann. Ganz einfach: Lesen! – in den Newsletter eintragen, über Start informiert sein, feedback geben :)



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