Was macht eigentlich… Sponsorpay!? Eine Gründungs und Hintergrundgeschichte

Lukasz am 16. Dezember 2009 um 22:48

Ein Beitrag zum Launch von Sponsorpay hat hier leider aus Zeitgründen noch nicht stattgefunden. Das möchte ich nun gerne nachholen und auch etwas zum aktuellen Stand schreiben.

Sponsorpay ist eines der jüngsten ‚Company Building‘ Projekte von Team Europe Ventures und im Inhalt eine Plattform zur besseren Monetarisierung von virtuellen Gütern, insbesondere im Rahmen von Online Spielen.

Die Geschichte ist eigentlich ganz einfach – Online Spiele, vor allem Browser-Spiele, sind eines der am schnellsten wachsenden Segmente im Internet. Deutschland und Europa sind auf diesem Feld recht stark. Populäre Vertreter sind etwa Gameforge, Bigpoint, Playfish, Zynga (US) oder Sulake (Habbo Hotel). Nun finanzieren sich die meisten dieser Spiele über sogenannte virtuelle Güter – der Spieler kann sich Vorteile oder Annehmlichkeiten im Spiel gegen echtes Geld kaufen. In der Regel erwirbt er dazu in der jeweiligen Spielwelt so etwas wie Juwelen oder Gold und kann dieses dann entsprechend einsetzen. Zumeist kann man die Spiele auch umsonst spielen, und nur eine geringe Anzahl von Spielern bezahlen dann tatsächlich – in der Regel sind das zwischen 5 und 10%. Mit anderen Worten: 90-95% der Spieler spielen umsonst! Und hier kommt Sponsorpay ins Spiel (jaja, schöner Kalauer). Wir ermöglichen dem Nutzer, sein virtuelles Gold nicht mit Geld, sondern über das ausführen gewisser Aktionen bei einem unserer Partner zu erwerben. Daher auch der Name Sponsorpay - wir suchen quasi Sponsoren, welche das virtuelle Gold für einen bezahlen. Z.B.: kauf ein Buch bei Amazon und Du kriegst etwas Gold für Farmeville. Oder den Premium Account bei Travian. Oder melde Dich bei Brands4friends an und Du kriegst ein Paar Juwelen für Case White obendrauf. Oder fülle eine Umfrage aus. Oder oder oder.

Im Effekt führt das dazu, das sich die Quote von Spielern die ‚bezahlen‘  schnell verdoppeln kann. Umsatzmäßig ist der Effekt allerdings geringer, liegt eher so zwischen 10 und 30%. Das ist aber immer noch sehr viel – Gameforge z.B. macht einen dreistelligen Umsatz. Den mal eben um diese Prozentzahlen zu erhöhen ist schon attraktiv…

Natürlich ist es auch so, dass solche ‚incentivierten‘ Käufe auch Nachteile haben. So meldet sich z.B. vielleicht jemand bei brands4friends an obwohl er dort schon Mitglied ist. Er will halt einfach nur das Gold mitnehmen. Dieser Effekt ist klar und entsprechend sind die Leads für Werbetreibende meist etwas billiger als aus anderen Quellen. Zudem ist es unser Job bei Sponsorpay, die Qualität durch vielfältige Maßnahmen zu erhöhen (also viel IT, targeting, fraud prevention, etc. - ist auch eine Wettbewerbsbarierre). Das Ganze funktioniert trotz einzelner nachteiliger Aspekte immer noch sehr sehr gut.

Auch fragt man sich schnell, ob sich der Spieleanbieter nicht seine eigenen Kunden kannibalisiert, d.h. ehemalige Barzahler jetzt über Sponsorpay kaufen aber so weniger Umsätze machen. Dies ist aber empirisch nicht so, da es sich um unterschiedliche Kundengruppen handelt. In dem einen oder anderen Fall mag das passieren, auf der anderen Seite lernen vorher nicht zahlende Spieler die Vorteile der Bezahlvariante kennen und kommen auf den Geschmack, künftig auch in Cash zu bezahlen.

Das Ganze ist natürlich viel komplexer und hat noch viele Aspekte, klar ist aber, dass die Vorteile deutlich überwiegen – das ist sozusagen empirisch belegt :)

Nun zurück zum unternehmerischen, wie kam es zur Gründung von Sponsorpay und was sind die Hintergründe?

Nun, gemeinsam mit Jan Beckers (Unternehmer & Venture Partner) und Janis Zech (Analyst mit festem Gründungsplan) hatten wir schon eine geraume Weile nach einer Idee gesucht. Die Ansprüche an eine passende Idee waren hoch und so haben wir über 3 Monate geforscht und überlegt. Eines Tages kam dann über einen Kontakt aus dem Silicon Valley der Tipp, sich doch mal Offerpal genauer an zu schauen.

Das Team war sehr schnell begeistert von der Idee. Offerpal hatte gerade zweistellige Millionenbeträge an Finanzierung eingeworben und über informelle Kanäle wurde Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe kolportiert – und das nur zwei Jahre nach Gründung! Damit hat Offerpal noch besser ‚performed‘ als vergleichbare Anbieter, die es schon länger gab (im wesentlichen Trialpay, bei welchem auch der in Europa als top geltende VC Index Ventures investiert hat).

Auch sind unsere Kriterien für Eigengründungen erfüllt – wir wollen da in der Regel Potential sehen, dass ein Unternehmen nach zwei bis drei Jahren 100 Mio oder mehr wert ist (ich weiss, superhoher Anspruch… wir wollen aber zumindest das Potential und es gibt sie, diese Ideen…).

Aber es gibt ja viele Finanzierungen in zweistelliger Millionenhöhe im Silicon Valley und noch mehr Unternehmen die dreistellig werden können, was macht diese für uns so besonders?

Erstens hatten wir uns in den Monaten zuvor intensiv mit dem Markt von Online Spielen beschäftigt und nach einer passenden Gründungsidee oder Investitionsmöglichkeit gesucht. Somit waren wir mit den Begebenheiten vertraut und konnten schnell auf ein Netzwerk an Kontakten zurückgreifen, um das die Gelegenheit zu evaluieren und ins Laufen zu bringen.

Weiter hatten wir in anderem Zusammenhang auch mit Gameforge zu tun. Denen gefiel die Idee ebenso und es gab somit eine hohe Wahrscheinlichkeit (sicher kann man sich nie sein), Gameforge als einen der ersten Kunden zu gewinnen. Ein solcher strategischer Baustein ist in der Gründungsphase immer sehr wichtig, da er erfolgreich eingesetzt, erheblich dazu beitragen kann, eine Positivspirale in Gang zu setzen (Siehe z.B. auch StudiVZ als Distributionspartner bei den Gründungen von Brands4friends und Absolventa oder die ‚Heerschaar‘ ;) von Angels bei Madvertise).

Das ganze sah also ziemlich vielversprechend aus. Hatte aber allerdings einen Haken: Wir wussten, dass wir sehr schnell sein müssen. Einer der wichtigen Erfolgsfaktoren ist es, die Spielefirmen dazu zu bringen, Anbieter wie Sponsorpay einzubauen. Es ist klar, das es interessant für diese ist, aber auch klar, dass vielleicht maximal 2-3 Anbieter Platz auf dem Markt haben. Und wer als erster eingebunden ist, der ist entsprechend vorne auf der Lernkurve und kann sich so weiter entwickeln. To be late is not an option.

Mit DealUnited und Trialpay sind ähnliche Anbieter schon auf dem europäischen Markt. Die US Anbieter haben den Markt im Blick. Wir hatten zudem einen begründeten Verdacht, dass befreundete Unternehmer (also, gute Bekannte sozusagen) im Stealth Mode bereits seit sechs bis acht Wochen an einem ähnlichen Konzept arbeiten (der Verdacht hat sich im Laufe der Zeit verdichtet und dann später bewahrheitet ;)

Das Zeitfenster für einen Markteintritt war also sehr kurz und wir mussten uns mega-beeilen. Keine triviale Aufgabe, wenn man bedenkt, dass die Spielebranche sehr international ist, und es klar war, dass man somit gleich international starten muss, um Wettbewerbsfähig zu sein.  Es hieß also Vollgas geben. Jan und Janis haben alles andere sofort stehen und liegen lassen und sich 100% Sponsorpay gewidmet. Wir anderen mit einem signifikanten Anteil unserer Zeit. Hier hat sich die Struktur mit einem Venture Partner zu arbeiten, welcher sich schnell voll auf eine Sache fokussieren kann und keine andere Verpflichtung hat, als sehr erfolgreich erwiesen. Ebenso der ‚Deal‘ mit Janis, welcher uns als Analyst zur Verfügung stand, um sich auf eine eigene Gründung vor zu bereiten und in der Zwischenzeit mehr über die Märkte zu lernen und Kontakte zu knüpfen. So hatten wir sofort den Kern eine nicht nur excellenten sondern auch eingespielten Teams und konnten ohne Zeitverzug loslegen. Nicht zuletzt auch darum, weil wir über TeamEurope und komplettiert mit ein paar befreundeten Angels, die ersten Finanzmittel sofort zur Verfügung stellen konnten. Selbst Kleinigkeiten wie Vertragswerk (Gruß an Steffen ;) und sofort zur Verfügung stehende Büros können in solch einer Situation den entscheidenden Zeitvorteil bringen (jeder der schon einmal gegründet hat, weiss über spaßige aber Zeitraubende Ikea-Trips zu berichten… ;). Nicht zuletzt hatten wir auch das Glück, das Team schon in der Gründungsphase mit einem erfahrenen unternehmerischen Manager zu ergänzen - Andreas Bodczek war vorher u.a. z.B. bei Telefonica Deustchalnd als Geschäftsführer für über 500 Angestellte verantwortlich und bringt auf diesem Feld das nötige Handwerkszeug mit.

Was dann folgte, war ein Wahnsinnstrip vor allem für Jan, Janis, Andreas sowie die ersten Mitstreiter, die an Bord kamen. Wenige Wochen nach Ideenfindung startete die Programmierung der Plattform und war etwas mehr als zwei Monate nach Projektstart in einer ersten Version live – und das international! Entsprechend schnell wuchs auch das Team, welches rasch zweistellig war und samt Praktikanten und ‚Freien‘ zum Launch im September bereits um die 30 Köpfe umfasste… also, von zwei auf 30 in nur zwei-drei Monaten…! Das ist natürlich nicht ganz risikofrei, mit Ineffizienz verbunden und auch kostenintensiv – mit einer Kostenbasis von 20-30 K zu Beginn kommt man hier nicht aus. Und Umsätze gibt es in der Anlaufphase auch noch nicht. Wenn man nicht wirklich muss, würde ich so ein schnelles Wachstum niemandem empfehlen (obwohl es schon eine besondere Erfahrung ist, wie jeder bestätigen kann, der so etwas schon einmal mit gemacht hat ;).

In einem Start Up kann immer viel passieren und nichts ist sicher, aber Status Quo ist der Plan bisher gut aufgegangen und wir haben uns als einer der Führenden (o.k., DER Führende ;) Anbieter in Europa positionieren können. Also, the Jury is still out here, wie man im angelsächischen Start-Up Jargon gerne sagt… die wesentlichen Hebel sind jetzt weiter Spieleanbieter bzw. allgemein Anbieter virtueller Güter als Kunden zu gewinnen, und zum anderen immer mehr und mehr interessante Angebote zu guten Konditionen auf die Plattform zu kriegen (freuen uns hier sehr über leads von etablierten Anbietern, bitte direkt an Janis!).

Die Geschichte bleibt also spannend, nicht zuletzt, weil sich der Markt sehr schnell entwickelt (Der post ist schon lang genug, will hier nicht in die Tiefe gehen, aber z.B. das Stichwort ‚Scamville‘ oder ‘Konsolidierung‘). Also bitte Daumen drücken!

warum ich nicht an groupon in Europa glaube

Lukasz am 15. Dezember 2009 um 22:19

Ganz einfach:

  • Coupon Kultur ist bei weitem nicht so ausgeprägt wie in den USA – sowohl auf seiten der Anbieter als auch Konsumenten. Sprich – Kommunikation viel schwerer, man muss den Markt erst erziehen…
  • Verstädterung ist kleiner als in den USA… dann auch noch Sprachbarierren… unlikely, that London and Paris will be ‚owned‘ by the same player
  • Kapitalintensiv (deswegen auch die hohen Runden… das sammeln der Angebote ist einfach Handarbeit!)… und EU hat keine starke Kapitalkultur (oder wie viele Start Ups kennt ihr, die mal eben 10 Mio Finanzierungsrunden machen?)
  • Wettbewerb – gnadenloser Wettbewerb! Dadurch Markt zersplittert und dann gibt es ein Paar ‚mom and pop‘ shops.

Also, alles in allem ‚not excited‘.
Aber, wie immer gilt: wenn ein Superstar-Team es macht, vielleicht dennoch einen Blick wert…

Übrigens schätze ich die Zahl der Groupon clones in Deutschland auf 5-10 aktuell im entstehen/ teilweise schon live.
In Europa entsprechend ca. 20+.
Gerne Kommentare mit Beschreibungen von den Clones, die ihr schon kennt/ Hinweise auf entstehende :)

Saul Klein über Seedcamp und Start Up’s in Europa

Lukasz am 10. November 2009 um 23:23

In einem ausführlichen Beitrag auf seinem Blog resümiert Saul Klein über die letzten drei Jahre Seedcamp sowie die Entwicklung und Perspektiven der Start Up Szene in Europa.

Ich habe das Seedcamp über die letzten Jahre verfolgt und war auf zwei der drei Hauptveranstaltungen in London als Mentor sowie auf einigen Mini-Seedcamps (ähnlich auch Kolja und Pawel).

Seedcamp ist ein aussergewöhnliches Unternehmen und - mag es auch etwas überzogen klingen - leistet tatsächlich unschätzbares für den Auf- und Ausbau der europäischen Tech-Unternehmer Szene.

Jungen Unternehmen bzw. Unternehmern wird ein hervorragendes Netzwerk geboten. Der Besuch der Hauptveranstaltungen lohnt sich meines erachtens in jedem Fall - egal ob man als Start-Up ‘gewinnt’ oder nicht. Es sind viele sehr erfahrene und erfolgreiche Macher der Szene vor Ort - und zwar europaweit, insbesondere also auch UK Unternehmer und solche aus den nordischen Staaten - diese lernt man in Deutschland oft gar nicht kennen, obwohl sie in dem Markt führend sind. Nicht davon zu reden, dass viele der Mentoren gleichzeitig auch hochkarätige Investoren sind. Und die Sessions sind so ausgelegt, dass man sich mit den Perosnen auch intensiv austauschen und gegenseitig kennen lernen kann. Ich empfehle die Teilnahme wirklich wirklich jedem Start Up!

Auch aus Investorensicht lohnt sich das ganze meines erachtens. Zum einen sind die Start Ups und die Gründer teilweise interessant (obwohl die Qualität sicher noch ausbaufähig ist) und auf der anderen Seite ist es auch eine gute Veranstaltung um selbst zu netzwerken (ich kombiniere es zudem immer mit anderen Terminen in London).

Dem Seedcamp fehlt aber noch etwas zum entgültigen Erfolg: eine plakative, durchschlagende, PR-affine Erfolgsstory. Diese gibt es bei kanpp 20 getätigten Investments noch nicht. Betonung dabei auf noch, ca. 1/3 der Investments sind erst drei Monate alt - da kann also noch einiges passieren. Ich bin mir zum einen sicher, dass eine solche Erfolgsstory zum einen nur eine Frage der Zeit ist, und dass das Seedcamp dadurch einen signifikanten Schub kriegen wird.

Aber auch ohne plaktives entwickelt es sich stetig voran. So war das Feeback für die teilnehmenden Unternehmen der Hauptveranstaltung in 2008 insgesamt recht durchwachsen. In 2009 war es schon positiver, die Unternehmen sind besser geworden. Und ich glaube, dass sie nächstes Jahr wieder besser werden, weil es sich unter den Unternehmern einfach rumsrpicht, welche Top Kontakte man machen kann. Qualität spricht sich rum (gerade unter guten Leuten), bessere Unternehmen kommen, dadurch kommen bessere Mentoren, usw. - eine Positivspirale nimmt so ihren Lauf.

Das einzige, was mir etwas negativ aufgefallen ist: in 2009 gab es etwas zu viele Mentoren und ehemalige Teilnehmer des Seedcamps werden bereits ein Jahr später als Mentoren eingesetzt. Auf der einen Seite cool, weil so das Netzwerk größer ist, auf der anderen Seite verwässert es etwas die Qualität des ganzen, da so leicht passieren kann, dass der der gementort wird seinem Mentor eigenlich mehr erzählen könnte… ich hoffe, dass die Macher da etwas gegenlenken.

Wie Saul in seinem Artikel richtig bemerkt, brauchen die Dinge ihre Zeit. Die Valley Szene ist ca. 50 Jahre alt, europäisches VC Backed Tech-Entrepreneurship erst ca. 15. Und einzelne Unternehmen brauchen in der Regel 5-10 Jahre um sehr erfolgreich zu werden - so auch das Seedcamp. Wenn die Jungs so weiter machen, bin ich sicher, dass es sehr erfolgreich werden wird und weiter unschätzbare Dienste leistet - und die erste Bilderbuchstory ist nur eine Frage der Zeit…

Soziale Netzwerke sind Durch

Lukasz am 4. November 2009 um 17:59

Immer öfter höre ich in Gesprächen, dass das Thema Soziale Netzwerke ‚Durch‘ sei. Mit anderen Worten, das Feld ist schon verteilt, Innovationen kann man nicht erwarten, aus Unternehmerperspektive nichts gründen und aus Investorenperspektive nicht investieren.

Wenn ich z.B. Investoren frage, welche Felder sie interessant finden, tauchen soziale Netzwerke oft auf der Negativliste auf. „Social nets machen wir nicht, wir brauchen was mit Umsatz z.B. E-Commerce“.

Für mich sind solche Situationen an sich schon interessant, weil ich Chancen für antizyklisches Handeln sehe. Ich glaube nicht, das im Bereich Soziale Netze schon alles erfunden worden ist, was man erfinden kann. Und wenn es gerade kein Hype ist, dann gibt es auch viel weniger Lärm/ Rauschen (‚Noise‘) in dem Bereich. Also gerade dann lohnend, sich mit dem Thema auseinander zu setzen – sei es als Unternehmer oder als Investor.

Im Bereich “Aggregieren von Sozialen Netzen” habe ich z.B. noch nichts gesehen, glaube aber, dass es ein großes Feld werden wird. Viele haben da auch schon darüber nachgedacht, aber noch niemand hat es geknackt…

Alexander Görlach und Team Europe Ventures gründen Online Magazin ‘The European”

Lukasz am 30. Juli 2009 um 23:56

Gemeinsam mit Alexander Görlach und meinen Team Europe Partnern haben wir ‚The European‘ auf den Weg gebracht. Wie bei Turi2 oder Meedia nachzulesen, haben wir das Projekt, an welchem wir seit einigen Monaten arbeiten, gerade öffentlich vorgestellt.

Der Launch wird Ende September erfolgen. Mehr kann man in den genannten Artikeln oder direkt bei The European lesen.

Die ersten Kommentare die ich erhalten habe, bezeichnen das als mutigen Schritt – gerade jetzt, wo die Krise viele Zeitungen und Magazine erfasst und allenthalben von Kürzungen und Umsatzeinbrüchen zu lesen ist, ein neues Magazin?

Hier die Gründe, warum wir The European machen:
- Die Vision für haben wir gemeinsam mait Alexander Görlach, dem Chefredakteur und Herausgeber entwickelt. Wir kennen uns noch nicht allzu lange (wer es genau wissen will: Walküre Filmpremiere ;), aber zwischen ihm und dem gesamten Team Europe ist schnell eine gemeinsame Ebene entstanden. Letztlich haben wir Alex zu Unternehmertum inspiriert. Und er uns von seiner Vision für The European begeistert, die wir dann nach und nach gemeinsam verfeinert haben. Hinter der Gründung steckt somit der Glaube an eine sehr talentierte Person, welche absolut begeistert von dem Thema ist und hinter diesem steht
- Ferner sind wir selbst von dem Produkt überzeugt – wir haben hier etwas nues, womit wir eine Lücke schliessen. Die meisten Medien sind auf Nachrichten ausgerichtet, bei uns werden Meinungen stark im Vordergrund stehen. Es geht darum, zu erklären und Positionen darzustellen. Das grosse ganze zu einem Thema soll so schnell erfassbar werden. Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass vei The European die wirklich bedeutenden Stimmen zu Wort kommen. Die Entscheider kommentieren das Geschehen in Texten die eine Knappe dinA4 Seite lang sind, und ‚deuten‘ uns so die Welt. Keine klassischen Ressorts, stattdessen die Power des Netzes – Yeah!
- Weiter setzen einzelne Nachrichten unserer Meinung und Erfahrung nach oftmals viel zu viel Wissen beim Leser voraus. Sehr viele der Rezipienten für ‚anspruchsvolle‘ Themen haben dieses Wissen aber gar nicht! Die Leser sind Spezialisten auf bestimmten anderen Gebieten und haben eine begrenzte Zeit und Aufnahmekapazität. Erinnerungsvermögen tut das seinige. Ich bringe immer gerne das Beispiel: wer waren nochmal die Schiiten und wer die Sunniten? Hand aufs Herz, wer weiss es aus dem Kopf? Wer kann mit wenigen Worten ein ‚Big Picture‘ über die Schiiten bringen? The European benennt die Themen, bringt sie auf den Punkt, in ‚Magaziner‘ Form, nicht nur in Text, sondern auch in Fotostrecken und Videoformaten (Übrigens & vereinfacht: Schiiten gibt es übrigens nur im Iran und Nordirak - der Rest sind Sunniten
- Wir haben hier vom vom reinen Markterfolg her auch nicht den Anspruch, das nächste spreadshirt, studiVZ oder Brands4friends zu gründen – der erste Antrieb ist nicht, ein Unternehmen zu erschaffen, mit dem wir jetzt das meiste oder besonders viel Geld verdienen können. Klar muss & soll sich The European nicht nur tragen, sondern Gewinne abwerfen. Aber die Gewinnerzielungsabsicht steht für uns als Team Europe Ventures nicht im Vordergrund – wir finden Produkt und handelnde Peron cool & unterstützenswert
- Wir denken, dass nach wie vor Platz ist für werbebasierte Formate. Dabei orientieren wir uns weder am Performance noch am TKP Paradigma. Wir glauben, dass es eine Zahlungsbereitschaft gibt, wenn wir eine Top-Klientel ansprechen und ein hochwertiges Markenumfeld schaffen. Wir wollen auch mit anderen Arten der Monetarisierung experimentieren - ehrlich gesagt haben wir hier aber noch nicht die silberne Kugel gefunden. Aber das Werbung nun ganz und gar nicht funktioniert und total absurd sei, glauben wir nicht. Nochmals, Markenumfelder sind es. Zusätzlich muss man das gesamte Unternehmen über die einzelnen Entwicklungsphasen hinweg von der Kostenstruktur klug aufstellen.

Eine Erfolgsgarantie hat man bei Unternehmertum nie – aber von dem Rezept Qualität, Markenumfeld, harte Arbeit und schlanke Strukturen sind wir überzeugt.

Ich wurde auch gefragt, wir man uns unterstützen kann. Ganz einfach: Lesen! – in den Newsletter eintragen, über Start informiert sein, feedback geben :)

Karriere - oder so….

Lukasz am 20. Juli 2009 um 19:46

Ein Mädchen. Aus gutem Hause (bürgerlich), wohlerzogen, gutes Gedächtniss. Nicht besonders intelligent, nicht besonders interessiert, auch nicht übermäßig hübsch. In der Schule immer lieb geschaut und pünktlich gewesen, bei den Lehrern guten Ruf, entsprechend ordentliche Noten. Abi, fast schon beliebige LK’s (naja, sicher kein Physik und eher kein Mathe). Was nun? Studieren. Macht man so, ist irgendwie so. Aber was? Kurz überlegen, noch einmal kurz überlegen, was fällt am wenigsten auf, was ist am vielseitigsten, was am unverbindlichsten?

Von der Künstlichkeit des Naturbegriffs (oder: Künstlich ist künstlich)

Lukasz am 1. Juni 2009 um 11:13

Immer wieder begegnet man - an durchaus entscheidenden Stellen - in Debatten und Diskussionen dem Argument, etwas sei ‚künstlich‘. In der Regel wird damit begründet, warum man eine Entwicklung oder gewisse Handlungen und/ oder Vorstellungen ablehnt. Warum etwas nicht gut ist, weil es widernatürlich ist. Nicht der Natur entspricht. Nicht zu befürworten ist.

Das können vielfältige Dinge sein, die Bandbreite reicht von Abtreibungen und Gentechnik bis zur Urbanisierung und Mobilität.

Mit dem Begriff ‚künstlich‘ und seiner Verwendung gibt es jedoch leider ein Problem, welches man im Alltag und Alltagsgebrauch allzu oft übersieht: es gibt lediglich ein (uns bekanntes) Universum, nur eine Welt, nur eine Natur. Der Begriff der Künstlichkeit ist somit wiedernatürlich ;) bzw. in dieser enthalten, und an und für sich absurd. Eine rein willkürliche Trennung.

Alles ist Natur. Selbst das Auto und der Beton unserer Wohnblöcke sind es. Ja, aber es ist doch anorganisch! Tönt es uns entgegen. Aber was ist dann mit Gentechnik? Oder ‚natürlichen‘ Formen der Abtreibung? Joghurt? Algenkulturen?

Neuer Versuch: Gemeinhin bezeichnen wir etwas als ‚künstlich‘, was von Menschenhand geschaffen ist. Die meisten von uns (gruß an unsere amerikanischen Freunde und deren Mainstream ;), bezweifeln jedoch keines falls, dass der Mensch selber ein Produkt und Teil der Natur ist. Wenn aber der Mensch ein Teil der Natur ist, warum ist das, was er schafft, nicht Teil derselben sondern ‚künstlich‘? Den Mensch lehnen die meisten nicht als unnatürlich ab, warum dann (Teile) seiner Werke?

Der Mensch manipuliert doch lediglich andere Teile der Natur, und formt sie in neue Konstellationen um. Nichts anderes geschieht, wenn die Natur einen unserer Knochen formt. Oder der Apfelbaum einen Apfel – niemand käme auf die Idee, einen Apfel als unnatürlich zu bezeichnen. Egal, ob dieser in der Wildnis vorkommt oder in einem von Menschenhand geschaffenen Obstgarten.

Und das Bewusstsein? Hmmm. Ist der Speer oder der Feuerstein der Steinzeitmenschen bereits künstlich oder noch Natur? Schon schwieriger – während wir den Strohhalm, den ein Vogel zum Nestbau benutzt, unproblematisch einzuordnen wissen.

Klar ist ‚künstliches‘ eine andere Sorte der Natur, eine höhere Ordnung der Umformung, katalysiert durch etwas, was wir eben z.B. ‚Bewußtsein‘ und ‚Wille‘ nennen. Ähnlich wie nano, mikro und makro vielleicht. Aber doch immer noch Natur.

Und durchaus birgt künstliches seine Gefahren, gerade, wenn es an Grenzen des dagewesenen stößt, und das in einer vernetzten und chaotischen Welt in welcher es oft unmöglich ist, die Auswirkungen einzelner Entwicklungen auf das ganze vorher zu sagen. Und in welcher die Natur über ‚künstliches’Teile, ihre durch sich selbst geschaffenen Strukturen massiv zu zerstören droht. Künstlichkeit ist gefährlich, aber auch natürliche Phänomene wie Meteoriten, Eiszeiten, Erdmagnetfeldumpolungen (pls. google ;) in Kombination mit Gammastrahlung, werdende rote Riesen (google our sun;) oder Viren haben es durchaus in sich…
Es ist also nach wie vor Vorsicht angebracht. Eine dogmatische Ablehnung des künstlichen ist jedoch abzulehnen. Und ab und an kann es ganz nützlich sein, sich auch im Alltag an den Ursprung des Begriffes ‚künstlich‘ zu erinnern. Er ist eine relative willkürliche Trennung bzw. Kategorisierung von Teilen der einen und einzigen Natur.

Künstlich ist künstlich ;)

Es geht um die Note – eine Anekdote über soziale Verantwortung & Engagement

admin am 12. April 2009 um 17:31

An der Handelshochschule in Leipzig an welcher ich studiert habe, legte man viel Wert auf Team und Gruppenarbeiten. Zwecks Förderung von Sozialkompetenz und aus praktischen Erwägungen. Ein sehr wichtiger und guter Ansatz, denn der BWL’er wird so durchaus passender auf das Berufsleben vorbereitet, als durch auswendig lernen diverser mehr oder minder spannender Fakten bzw. vermeintlicher Fakten.

Das interessante an den Gruppen- und Teamarbeiten war, dass diese benotet wurden. Eine Note galt für das ganze Team. Dadurch entsteht eine interessante Dynamik, Stichwort Trittbrettfahrer etc.

In diesem Umfeld hatte ich einmal eine Gruppenarbeit in welcher wir etwas erarbeiten und dann power-point technisch präsentieren sollten. Die Gruppe bestand aus 4 oder 5 Personen. Die Zusammensetzung war interessant, denn es war sowohl einer der leistungsfähigsten Stundenten als auch eine der leistungsschwächsten Studentinnen im Team. Der Leistungsstarke war ein krasser Typ, wie man so schön sagt. Er hatte sein Vordiplom an einer guten Uni mit Bestnoten – 1.0 oder so – abgeschnitten. In zwei Semestern anstatt den für normal sterbliche vorgesehenen vier Semestern. Ferner war er beliebt und im ‚mainstream‘ der Klasse (ca. 40 Studenten pro Semester – na, liebe staatliche studierende, wird man da ein wenig neidisch?) einer der Rädelsführer. Also jemand, an dem man sich orientiert. Selbstredend ein Teil der sogenannten Polo-Hemden (Ralph Lauren) Fraktion. Der Mainstream eben.

Nun, wir hatten in der Gruppe also unseren Kram erarbeitet und bereiteten uns auf das Präsentieren vor. Jeder sollte einen Teil präsentieren und so unser Ergebnis gut zu verkaufen und unsere Note zu optimieren. Schnell gab es ein Problem, denn die (relativ) Leistungsschwache Studentin war auch im Präsentieren nicht so super. Wir drehten ein Paar Schleifen mit ihr um sie zu Coachen damit das ganze auch gut wird. Sie musste also mehrfach präsentieren und wir gaben ihr feedback, dann wieder etc. Es wurde aber nicht viel besser. Nun ist das HHL Studentenleben kein Ponyhof und alles findet unter Zeitdruck statt und man hat einen Haufen Arbeit. Schon bald waren wir an einem Punkt, an welchem der Leistungsstarke – nennen wir ihn mal ‚Krasso‘ - entschied, dass sie dann eben nicht präsentiert, wir brauchen sie nicht. Einem Team ist es immer freigestellt wer präsentiert. Obliegt also dem Team das zu entscheiden und theoretisch kann auch nur einer Präsentieren. Ein guter Benoter wird das natürlich mit einbeziehen und ein Team in welchem z.B. nur eine Person präsentiert etwas skeptischer benoten, aber hey, wer ist schon ein guter Benoter? Menschen sind eben Menschen und in der Regel standen andere Dinge im Vordergrund.

Nun kann Krasso das natürlich dennoch nicht alleine entscheiden, denn das Team entscheidet. Und das Team war gespaltener Meinung. Insbesondere war ich der Meinung, dass es ja darum ging etwas zu lernen, und zwar auch für die Leistungsschwache Studentin. Und durch unser Coaching und die Präsentationssituation hätte sie gelernt. Und ich unterstellte, dass der Benoter ein guter Benoter ist, welcher so etwas vielleicht auch anrechnet und mit einbezieht etc. Wie auch immer, im Kern war die Entscheidung zu treffen, ob man weiter Zeit in Coaching investiert und ein schlechteren Verkauf der eigenen Leistung riskiert oder den schwachen ‚versteckt‘ und sich nicht um ihn kümmert.

Die Debatte war heftig und ich kann mich ehrlich gesagt auch nicht mehr erinnern, wer sich durchgesetzt hat (Ich kann mich aber wohl erinnern, dass mein Standing beim Polo-Hemden Mainstream durch die Aktion nicht gerade an Substanz gewonnen hatte).

Und ich kann mich noch sehr gut an eines der Argumente, das Hauptargument, von Krasso erinnern. Als ich sagte, sie müsse es ja auch lernen etc. (nicht zuletzt haben sich die meisten der HHL Studenten verschuldet um die Studiengebühren tragen zu können und wollten ja auch was davon haben), sagte er „Ja, alles richtig und Du hast ja eigentlich Recht, aber es geht um die Note, helfen können wir später“.

Schon bald wurde mir die volle Tragweite des Argumentes bewusst. Man zieht einen schwächeren nicht mit und lässt ihn liegen, da es um die Note geht. Helfen kann man ihm dann vielleicht später. Jetzt nicht, es geht um die Note.

Aber es geht doch immer um etwas.

In Zukunft wird es darum gehen, einen Auftrag zu gewinnen. Eine Beförderung, eine Gehaltserhöhung, ein deal, ein irgend etwas. Die Argumentation ist also eine Falle. Auch wenn ein ‚später können wir helfen‘ vermutlich ehrlich gemeint ist, ist faktisch die Wahrscheinlichkeit doch hoch, dass es ein später nicht geben wird, weil es dann eben um andere Sachen gehen wird. Man schiebt die soziale Komponente somit immer weiter in die Zukunft. Und es geht hier nicht um die hier beschriebene bestimmte Situation – die Situation steht repräsentativ für täglich 1000nde, vielleicht millionen von solchen Entscheidungen.

Die Geschichte hat viele Implikationen und man kann viele Folgeüberlegungen anstellen. Z.B. über volkswirtschaftliche Effizienz oder temporären Focus.

Nehmen wir einmal Bill Gates. Er gilt wohl als gerissener Geschäftsmann welcher sein Imperium nicht gerade zimperlich aufgebaut hat. Heute ist er über seine Stiftung eine der größten Wohltäter der Menschheit. Ich kenne keine Details, aber es würde mich nicht wundern, wenn er in den ersten Jahren von Microsoft nicht besonders viel Zeit in soziales Engagement oder soziale Rücksichten investiert hätte.

Und so denken vermutlich viele, hey, erst einmal eine Basis bauen und dann kann man ja später helfen. Mir selbst geht es auch so. Jedoch ist eine solche Argumentation natürlich gefährlich, denn nicht ein jeder wird ein Bill Gates (im Gegenteil, statistisch gesehen sogar nur genau einer ;) , und das ‚später‘ kommt dann vielleicht doch nie…

Wenn ich nun meinen sozialen impact über meine Lebenszeit hinweg optimieren möchte – wann ist der richtige Zeitpunkt damit anzufangen? Wann wird wie viel zeit investiert, wann wie viel Rücksicht genommen?

Welches sind die richtigen Zeitpunkte für mich, welche für Krasso? Sind vielleicht fokussierungen sinnvoll, d.h. volkswirtschaftlich ist es vielleicht gar nicht effizient, wenn jeder Rücksicht nimmt? Sondern einige gar nicht und andere viel?

Ein weites Feld.

Hallo Welt/ Hello World

admin am 8. April 2009 um 21:02

Hallo Welt! Dies ist mein neues Blog.

Mein lakattack Blog ist damit Geschichte und wird nicht mehr verwendet (gilt jetzt als historisches Dokument ;). Für Gründerszene liefere ich weiter Videos und vielleicht eine gelegentliche Kolumne.

In der Regel wird es hier denke ich deutsch zugehen, und nur gelegentlich englisch.

Hello world! This is my new blog.

It replaces my lakattack blog which now may be considered as a historical document ;). I’ll continue to contribute videos and sporadic articles on gruenderszene.de, but this will be my primary personal blog. Stay tuned!

p.s.: most posts will be in German, English only ocassioally