Jochen Krisch über Team Europe – ein Spezialist auf Abwegen

Der e-commerce Spezialist Jochen Krisch verlässt ja zuweilen gerne die gewohnten Gefilde seines Kernthemas, und schreibt so über das eine oder andere. z.B. über die VC Industrie, Inkubatoren, und ähnliches.

Heute ist in diesem Zusammenhang in seiner Kategorie “VC Report” etwas über Team Europe erschienen – der vielsagende Titel dabei “VC-Report: Findet Team Europe langsam wieder Anschluß?” Der Artikel ist nicht besonders fundiert, dass sehen wir Jochen als Fachfremden aber gerne nach – zumal er auch schon ewig nicht mehr mit uns gesprochen hat. Dennoch ergänze ich es hier bzw. erläutere es etwas/ stelle gerne ein Paar Dinge klar.

Wo fangen wir an? Zunächst einmal, ich bin nicht sicher, ob wir im “VC Report” Inhaltlich richtig angesiedelt sind. Team Europe ist kein VC. Im heutigen Sprachgebrauch dann schon eher ein Inkubator, wobei das an sich auch ein problematischer Begriff ist (der in 2000 ganz anders definiert war als in 2008). Ich denke, am besten sind wir beschrieben als eine Gruppe von Internet-Unternehmern und Gründern.

Warum wir kein VC sind? VC steht für ‘Venture Capitalist” – sind in der Regel Fonds, die investieren. Wir haben zwar einen solchen mit gegründet (Point Nine Capital) und eine Partnerschaft mit einem anderen (Hasso Plattner Ventures). Wir selbst sind aber keiner.

Was wir machen, ist das gründen von Internet-nahen Unternehmen. Und zwar in zwei Kategorien – skalierbar und nicht-skalierbar. Die nicht skalierbaren unterstützen das Ökosystem und sind Cash Flow Orientiert – in der Regel kommen sie ohne Investment aus und haben kontinuierliche stetige Wachstumsstrategien. Die skalierbaren hingegen haben aggressive Wachstumsstrategien, brauchen meist signifikantes Investment und sind in der Regel Exit-Orientiert (wobei zumindest wir diese gerne nachhaltig bauen…). Kann man alles auch auf der Team Europe Seite nachlesen :)

Wir haben derzeit die Kapazität, zwei bis drei skalierbare und ein bis zwei cash-flow orientierte Unternehmen pro Jahr zu gründen. Und dass, wie wir glauben in sehr hoher Qualität. Wir haben uns gegen den Portfolio Ansatz a la “Wir gründen mal 10 und dann werden 5 schon überleben” entschieden. Jedes, welches wir gründen, soll ein Erfolg werden. Und zwei bis drei Pro Jahr ist dabei schon unheimlich viel und ich/ wir sind sehr stolz darauf! Jeder, der schon einmal ein Unternehmen gegründet hat, weiss, wie schwer es ist, auch nur ein einziges erfolgreich vom Boden zu kriegen!

Ich bin aber nicht nur auf die Kapazität stolz, sondern auch auf unser Portfolio. Deswegen macht es mich sehr traurig, bei Jochen zu lesen – Zitat:

Wenn man sich das aktuelle Portfolio von Team Europe ansieht, dann überfällt einen große Ratlosigkeit. Die eine Hälfte der Startups fällt unter die Kategorie “No risk, no fun”, und zwar im wortwörtlichen Sinn. Und die Sinnhaftigkeit bzw. das Potenzial der anderen Hälfte erschließt sich einem nur mit sehr viel gutem Willen.

Hmm, diesen Satz erläutert er nicht weiter, er geht auf die einzelnen Start up’s nicht ein. Aber seine Bewertung zeigt, dass er einfach keine Ahnung hat, wovon er spricht. Das liegt vielleicht daran, dass es sich bei den meisten eben nicht um E-Commerce handelt (Definition zu gut Deutsch: “Online Versandhändler”), sein angestammtes Feld. Und daran, dass er vermutlich kein einziges der Unternehmen kennt. Weder mit den Gründern je die Gelegenheit hatte zu sprechen, noch sich in den Marktfeldern auskennt. Von Mobiler-Werbung oder virtuellen Währungen versteht Jochen eben nichts. Auch nicht von Lead Genaration. Das ist für ihn eben langweilig. Auch wenn diese Unternehmen wenige Jahre alt sind und hunderten von Leuten einen Job geben – es ist eben nicht “Exciting” für Jochen – kein “Exciting Commerce” offenbar… ;)

Ferner konstatiert Jochen Team Europe ein ‘ehemaliges zurückfallen’ – wir hätten Trends wie Browser-Games, Social-Games und vor allem Couponing (=Groupon) verpasst. Hmmm, also, die großen Browser Games Companies sind ca. 2004 entstanden. Da war ich gerade mit meinem Studium fertig und habe an der Internationalisierung von Spreadshirt gearbeitet. Kolja war im Abi. Pawel gerade mit dem Diplom beschäftigt… ;) Mit Couponing hat er aber möglicherweise Recht. Da haben wir etwas spät das Potential erkannt (ist dann doch einer der Vorteile, des Protfolio Ansatzes beim Gründen) und waren b.) mit anderen Sachen beschäftigt – wir haben Team Europe gegründet, Sponsorpay und Madvertise, Point Nine Capital (mit internationalem Portfolio auf das wir sehr stolz sind), i-Potentials, Gründerszene vom persönlichen Blog zu einem von Deutschlands führenden Online-Magazinen entwickelt, etc. usw.

Wem nach Spreadshirt, StudiVZ, Brands4friends der nächste Smash-Hit fehlt, der setze anstatt des selben einfach “Team Europe” selbst ein. Und warte ab, ob nicht der eine oder andere Hit nicht doch bereits im aktuellen Portfolio bzw. in Gründung befindlichen Unternehmen schlummert – hehe. Ob nun mit, oder ohne “guten Willen” von Jochen Krisch ;) Ernsthaft: Etwas wie Team Europe entsteht eben nicht binnen eines Tages – aber hält dann hoffentlich umso länger. Und wird die Welt – so Gott bzw. die Naturgesetze uns mit der nötigen Gesundheit segnen – auch noch in 10 – 15 Jahren mit Unternehmertum und Innovation versorgen :) Vielen Dank an alle, die das möglich machen & mitziehen!