Es geht um die Note – eine Anekdote über soziale Verantwortung & Engagement
An der Handelshochschule in Leipzig an welcher ich studiert habe, legte man viel Wert auf Team und Gruppenarbeiten. Zwecks Förderung von Sozialkompetenz und aus praktischen Erwägungen. Ein sehr wichtiger und guter Ansatz, denn der BWL’er wird so durchaus passender auf das Berufsleben vorbereitet, als durch auswendig lernen diverser mehr oder minder spannender Fakten bzw. vermeintlicher Fakten.
Das interessante an den Gruppen- und Teamarbeiten war, dass diese benotet wurden. Eine Note galt für das ganze Team. Dadurch entsteht eine interessante Dynamik, Stichwort Trittbrettfahrer etc.
In diesem Umfeld hatte ich einmal eine Gruppenarbeit in welcher wir etwas erarbeiten und dann power-point technisch präsentieren sollten. Die Gruppe bestand aus 4 oder 5 Personen. Die Zusammensetzung war interessant, denn es war sowohl einer der leistungsfähigsten Stundenten als auch eine der leistungsschwächsten Studentinnen im Team. Der Leistungsstarke war ein krasser Typ, wie man so schön sagt. Er hatte sein Vordiplom an einer guten Uni mit Bestnoten – 1.0 oder so – abgeschnitten. In zwei Semestern anstatt den für normal sterbliche vorgesehenen vier Semestern. Ferner war er beliebt und im ‚mainstream‘ der Klasse (ca. 40 Studenten pro Semester – na, liebe staatliche studierende, wird man da ein wenig neidisch?) einer der Rädelsführer. Also jemand, an dem man sich orientiert. Selbstredend ein Teil der sogenannten Polo-Hemden (Ralph Lauren) Fraktion. Der Mainstream eben.
Nun, wir hatten in der Gruppe also unseren Kram erarbeitet und bereiteten uns auf das Präsentieren vor. Jeder sollte einen Teil präsentieren und so unser Ergebnis gut zu verkaufen und unsere Note zu optimieren. Schnell gab es ein Problem, denn die (relativ) Leistungsschwache Studentin war auch im Präsentieren nicht so super. Wir drehten ein Paar Schleifen mit ihr um sie zu Coachen damit das ganze auch gut wird. Sie musste also mehrfach präsentieren und wir gaben ihr feedback, dann wieder etc. Es wurde aber nicht viel besser. Nun ist das HHL Studentenleben kein Ponyhof und alles findet unter Zeitdruck statt und man hat einen Haufen Arbeit. Schon bald waren wir an einem Punkt, an welchem der Leistungsstarke – nennen wir ihn mal ‚Krasso‘ - entschied, dass sie dann eben nicht präsentiert, wir brauchen sie nicht. Einem Team ist es immer freigestellt wer präsentiert. Obliegt also dem Team das zu entscheiden und theoretisch kann auch nur einer Präsentieren. Ein guter Benoter wird das natürlich mit einbeziehen und ein Team in welchem z.B. nur eine Person präsentiert etwas skeptischer benoten, aber hey, wer ist schon ein guter Benoter? Menschen sind eben Menschen und in der Regel standen andere Dinge im Vordergrund.
Nun kann Krasso das natürlich dennoch nicht alleine entscheiden, denn das Team entscheidet. Und das Team war gespaltener Meinung. Insbesondere war ich der Meinung, dass es ja darum ging etwas zu lernen, und zwar auch für die Leistungsschwache Studentin. Und durch unser Coaching und die Präsentationssituation hätte sie gelernt. Und ich unterstellte, dass der Benoter ein guter Benoter ist, welcher so etwas vielleicht auch anrechnet und mit einbezieht etc. Wie auch immer, im Kern war die Entscheidung zu treffen, ob man weiter Zeit in Coaching investiert und ein schlechteren Verkauf der eigenen Leistung riskiert oder den schwachen ‚versteckt‘ und sich nicht um ihn kümmert.
Die Debatte war heftig und ich kann mich ehrlich gesagt auch nicht mehr erinnern, wer sich durchgesetzt hat (Ich kann mich aber wohl erinnern, dass mein Standing beim Polo-Hemden Mainstream durch die Aktion nicht gerade an Substanz gewonnen hatte).
Und ich kann mich noch sehr gut an eines der Argumente, das Hauptargument, von Krasso erinnern. Als ich sagte, sie müsse es ja auch lernen etc. (nicht zuletzt haben sich die meisten der HHL Studenten verschuldet um die Studiengebühren tragen zu können und wollten ja auch was davon haben), sagte er „Ja, alles richtig und Du hast ja eigentlich Recht, aber es geht um die Note, helfen können wir später“.
Schon bald wurde mir die volle Tragweite des Argumentes bewusst. Man zieht einen schwächeren nicht mit und lässt ihn liegen, da es um die Note geht. Helfen kann man ihm dann vielleicht später. Jetzt nicht, es geht um die Note.
Aber es geht doch immer um etwas.
In Zukunft wird es darum gehen, einen Auftrag zu gewinnen. Eine Beförderung, eine Gehaltserhöhung, ein deal, ein irgend etwas. Die Argumentation ist also eine Falle. Auch wenn ein ‚später können wir helfen‘ vermutlich ehrlich gemeint ist, ist faktisch die Wahrscheinlichkeit doch hoch, dass es ein später nicht geben wird, weil es dann eben um andere Sachen gehen wird. Man schiebt die soziale Komponente somit immer weiter in die Zukunft. Und es geht hier nicht um die hier beschriebene bestimmte Situation – die Situation steht repräsentativ für täglich 1000nde, vielleicht millionen von solchen Entscheidungen.
Die Geschichte hat viele Implikationen und man kann viele Folgeüberlegungen anstellen. Z.B. über volkswirtschaftliche Effizienz oder temporären Focus.
Nehmen wir einmal Bill Gates. Er gilt wohl als gerissener Geschäftsmann welcher sein Imperium nicht gerade zimperlich aufgebaut hat. Heute ist er über seine Stiftung eine der größten Wohltäter der Menschheit. Ich kenne keine Details, aber es würde mich nicht wundern, wenn er in den ersten Jahren von Microsoft nicht besonders viel Zeit in soziales Engagement oder soziale Rücksichten investiert hätte.
Und so denken vermutlich viele, hey, erst einmal eine Basis bauen und dann kann man ja später helfen. Mir selbst geht es auch so. Jedoch ist eine solche Argumentation natürlich gefährlich, denn nicht ein jeder wird ein Bill Gates (im Gegenteil, statistisch gesehen sogar nur genau einer
, und das ‚später‘ kommt dann vielleicht doch nie…
Wenn ich nun meinen sozialen impact über meine Lebenszeit hinweg optimieren möchte – wann ist der richtige Zeitpunkt damit anzufangen? Wann wird wie viel zeit investiert, wann wie viel Rücksicht genommen?
Welches sind die richtigen Zeitpunkte für mich, welche für Krasso? Sind vielleicht fokussierungen sinnvoll, d.h. volkswirtschaftlich ist es vielleicht gar nicht effizient, wenn jeder Rücksicht nimmt? Sondern einige gar nicht und andere viel?
Ein weites Feld.
am 12. April 2009 um 18:50 Uhr.
Die Sache mit der Rücksicht erinnert mich an eine Passage die ich wohl im Buch ‘The Selfish Gene’ von Richard Dawkins gelesen habe. Das Argument geht etwa wiefolgt:
In einer Welt in der jeder alleine für sich selbst sorgt, haben die Stärksten die meisten Vorteile. Die Schwächeren, um über ihre Nachteile hinweg zu kommen, müssen sich zwangsläufig in kooperativen Gruppen sammeln, oder sie sterben aus. Das Weltbild ändert sich und selbst die Stärkeren müssen sich solchen Gruppen anschliessen, um weiterhin konkurrieren zu können.
Aber auch das Bild innerhalb der Gruppen ändert sich. Zum Beispiel in einer Gruppe in der sich jeder altruistisch verhält, hat ein Egoist große Vorteile. Wenn jedoch mehr Egoisten in der Gruppe entstehen, funktioniert diese nicht mehr richtig und andere konkurrierende Gruppen werden stärker. Um überleben zu können, muß die Gruppe also wieder die notwendige Menge von Altruisten aufbauen. Daraus ergibt sich ein Gleichgewicht das wir alle erleben.
Aber wie kann man dieses Wissen in seinem Leben nutzen? Wenn man nur rücksichtslos ist, kann es passieren, daß man z.B. in einem Team nicht mehr toleriert wird. Und wenn man nur rücksichtsvoll ist, wird man von anderen Rücksichtlosen leicht ausgenutzt. Man muß sich wohl den Umständen anpassen. Generell ist die rücksichtsvolle Haltung nobler, und umgeben von anderen rücksichtsvollen Menschen kommt es zu einer Symbiose.
Realistisch gesehen befinden wir uns jedoch meistens in gemischten Gruppen, wo wir unser Verhalten genau anpassen müssen. Rücksichtsvolles Verhalten ist eine Art ‘Investment’. Andere rücksichsvolle Menschen zahlen für die Rücksicht oft zurück, z.B. mit Freundschaft, Toleranz etc. Jedoch rücksichtslose Menschen zahlen nicht zurück – solchen Menschen weiterhin Rücksicht zu geben kann strategisch sein (vielleicht werden sie doch irgendwann rücksichtsvoll), aber meistens ist es wohl Zeitverschwendung. Selbst rücksichtslos zu sein lohnt sich also nur in bestimmten Situationen, z.B. wo man weiß, oder stark vermutet, daß Rücksicht ein Fehlinvestment ist.
am 12. April 2009 um 19:24 Uhr.
Interessante Geschichte! Ich denke allein über dieses Thema könnte man eine Diplomarbeit schreiben und ewig diskutieren.
Ein schöner Start für deinen neuen Blog.
Ach ja, was wurde denn eigentlich aus den beiden?
am 12. April 2009 um 21:07 Uhr.
Sehr interessante Geschichte! Und hat sie letztendlich nun (mit)präsentiert? Beste Grüße! Kay ps: Glückwunsch zum neuen Blog!
am 12. April 2009 um 21:40 Uhr.
Interessanter Artikel, ich will mal versuchen, etwas sinnvolles dazu beizutragen. Es ist schon richtig, wirtschaftlicher Erfolg beruht auf wirtschaftlichen Entscheidungen.
Im Prinzip handelt es sich um 2 unterschiedliche Typen mit dem gleichen Ziel, die Bestnote zu erreichen. Den effektiveren Weg hat Krasso, er macht sich nicht die Mühe, andere mitzuziehen, für ihn zählt einzig und allein das Endergebnis. Dein Weg, durch die Arbeit etwas zu lernen, ist mühsamer und wird dich mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückwerfen. Ergebnis, Krasso ist erfolgreicher.
Wirtschaftlich lässt sich das aber nicht pauschalisieren. Es gibt hunderte Typen “Unternehmer” und jeder hat unterschiedliche Ziele. Ich will einfach mal vermuten, der Großteil hat das wirtschaftliche Ziel vor Augen (Bill Gates)
und der andere Teil hat soziale Ziele vor Augen. Soziale Verantwortung, gesundes Wachstum, Gerechtigkeit sind da so einige Punkte die mir einfallen würden. Wenn Du das mit der Situation in Deiner Uni vergleichst, hast Du schnell ein Ergebnis, welcher Weg der effektivere ist.
Um Deine Fragen zu beantworten will ich mal folgendes vermuten. Es wäre nicht effizient, wenn jeder Unternehmer sozial agieren würde, ich glaube dann hätten wir auch keine Großkonzerne. Es ist auch nicht möglich, ausschließlich sozial vorzugehen, schließlich haben auch Arbeitnehmer unterschiedliche Ziele (Geld vs. Sicherheit). Gleichermaßen effektiv ist es nur dann, wenn geldorientierte Mitarbeiter bei geldorientierten Unternehmen arbeiten und andersrum. Ich denke, dann kommen beide auf das selbe Produktivitätslevel - aber ist das umsetzbar?
Also, welcher Typ sollte wann soziales zurückgeben? Der Großteil nach ihrem wirtschaftlichen Erfolg, die Minderheit tut es bereits mit ihrem wirtschaftlichen Erfolg.
Ich kann vielleicht auch noch eine persönliche Sache dazu sagen. Ich habe bereits vor meinem eigenen Privatstudium damit angefangen, das Privatstudium eines Freundes zu finanzieren. Die Gebühren sind doppelt so hoch wie bei meinem eigenen Studium. Die Frage, ob ich damit ausreichend “sozialen Impact” zurückgebe, stelle ich mir selten, es ist schwierig, es ist risikoreich und auch freundschaftlich kein leichtes Brot. Ich tue es gerne, würde aber trotzdem nicht jeden dazu raten, auch wenn derjenige die finanziellen Mittel dafür nie aufbringen könnte. Letztlich hab ich quasi jemand schwächergestellten mitgezogen und meine eigenen Ziele dafür zurückgestellt. Ich habe mich vor über einem Jahr selbstständig gemacht und das hat es um einiges erschwert. Ob das wirtschaftlich die richtige Entscheidung war? Definitiv nicht. Ob es sozial die richtige Entscheidung war? Who knows?
Letztlich kann man nur sein Gewissen fragen
// Ich hatte übrigens mal einen Chef, der immer damit prahlte, irgendwann sein ganzes Geld (mehrere Millionen €) in ein Krankenhaus in Afrika zu investieren. Nennen wir ihn Krasso. Er hat es nie getan.
am 12. April 2009 um 22:18 Uhr.
Glückwunsch zum neuen Blog, Lukasz. Sehr interessanter Start-Beitrag, und sehr gut, wie Du von der Begebenheit zu der Frage am Ende gelangst (wann mit sozialen Investments anfangen). Solange man keine besseren Antworten auf diese Fragen hat, ist vielleicht eine Daumenregel ganz gut, z.B. diese hier: http://10over100.org. Ich bin jedenfalls dabei: http://christophjanz.blogspot.com/2005/11/10-over-100.html. Wobei mir schon klar ist, dass es Dir nicht nur um Geld geht.
PS: Was macht Krasso eigentlich heute?
am 12. April 2009 um 22:19 Uhr.
Um Erfolg zu haben, muss ein Team auch zu seinen Schwächen stehen können und an diesen arbeiten. Das Leben ist nicht immer kalkulierbar. Was wäre, wenn der Prof kurz vor der Präsentation die Spielregeln geändert und zwei Personen rausgepickt hätte, welche den ganzen Vortrag alleine hätten präsentieren müssen. Natürlich wäre die schwache Studentin dabei und Krasso nicht. Dies hätte ich als fieser Prof natürlich so gemacht.
Zum Glück ist Erfolg nicht von guten Noten abhängig, sondern von einer klaren Strategie und die Fähigkeit mit Veränderungen umzugehen. Habe schon ein paar Mal Krassos grandios scheitern gesehen, nachdem die Spielregeln unverhofft ein wenig geändert wurden.
Ab und zu kann man sein Team auswählen, ab und zu nicht. Dann gilt es mit dem bestehenden Team die beste Performance zu erzielen und jede(n) dort einzusetzen, wo er/sie für das Team am meisten bringt (komparativer Vorteil). Aber trotzdem muss jeder für jeden einspringen können.
Bill Gates ist mit der Konkurrenz nicht zimperlich umgegangen, aber ob er die eigenen Mitarbeiter vernachlässigt hat, bezweifle ich. Denn gerade die Mitarbeiter sind das höchste Gut, welches ein Unternehmen hat und erst ihr Wille und ihre Selbständigkeit, ermöglichen es einem Unternehmen zu wachsen. Wenn alles vom Patron abhängig ist, ist spätestens bei 10-20 Mitarbeiter Schluss, da dort in etwa das Maximum der möglichen Führungsspanne liegt. Dass Bill Gates Mitbewerber und z.T. sogar die eigenen Kunden hart angepackt hat, ist nachvollziehbar. Jeder Franken Umsatz der meine Konkurrenz macht, kann ich nicht machen. Wer hätte die Möglichkeit ausgeschlagen, wenn er das Angebot für eine Cash-Cow in einem Quasi-Monopol-Markt bekommen hätte? Ganz ehrlich antworten bitte…
am 12. April 2009 um 22:23 Uhr.
Sehr gut geschrieben, ich finde, man muss auch manchmal seinen eigenen Ehrgeiz hinten anstellen. Wobei das jeder selber wissen muss, Bruce Schneier würde es jetzt einen Trade-Off nennen ;).
am 17. April 2009 um 10:16 Uhr.
Guten Tag Zusammen.
Interessanter Startbeitrag, interessante Kommentare.
Ich nehme die Anmerkung zu den möglicherweise variablen Spielregeln von Christoph Janz auf und spiegele auf das Thema Zieldefinitionen: Sowohl Menschen als auch Unternehmen verfolgen (können verfolgen) zeitgleich unterschiedliche Ziele. Die definierten (zu definierenden) Ziele selbst, können teilweise widersprüchlich sein, so sich auch in der 100%igen Zielerreichung wechselseitig behindern. Der Weg der Zielerreichung erfolgt wiederum nie autark, sondern im Wechselspiel mit endogenen und exogenen Parametern (mithin Spielregeln). Die Ziele spiegeln Stimmungen/Trends und Interessen von stake-holdern [Jack Welch im März 09: „Shareholder-Value ist die blödeste Idee der Welt.“] wieder. Die exogenen Parameter ebenso. Ich stelle die Behauptung auf, dass sich in Abhängigkeit von Zielen und Parametern auch Inhalte/Ziele und Erfüllungsgrade von Altruismus verändern. War es gestern ein lokaler Einsatz (im Beziehungsgeflecht, örtliche Vorsorge wie Schulspeisung), ist es morgen die Beteiligung an einer globalen Hilfsaktion (Tsunami-Spende).
Das Ziel war „die Note“, in -vermeintlicher- Kenntnis der Spielregeln. Die Studentin wurde gecoached, hat etwas mitnehmen können, sich entwickelt und profitierte im Ergebnis von „der Note“ des Teams. Sie ist nicht ohne Benefit gewesen und das ist letztlich auch die Aufgabe gelungenen Team-Buildings und Einstellungs-Managements. Wenn „Krasso“ am besten vorträgt, unter den Spielregeln eines vom Team zu definierenden Referenten, dann ist es die optimierte Lösung.
Wer käme auf die Idee, seinen spitzenmäßigen Numbercruncher aus dem Controlling plötzlich an die Vertriebsfront zu schicken oder ihm die inhaltliche Ausgestaltung des Marketings zu überlassen? Das wäre selbst bei einem Produkt mit klarer Spar-Argumentation/Nutzen ein gewagtes Unterfangen. Wer würde den Superkontakter und Vertriebsprofi in die Buchhaltung verbannen? Und doch benötige ich diese Menschen, um ein sinnvolles Team zu bilden und ein oder mehrere Gesamtziele zu erreichen. Falsch eingesetzt werden Menschen unglücklich, brennen nicht für ihre Aufgabe. Doch ist es deshalb gleich Altruismus, sie zu beschäftigen? Und hier auch endlich mein kleiner Hinweis darauf, dass das Fallbeispiel ein wenig hinkt, an dem ich mich hier abarbeite: Ein Team an einer Hochschule entsteht auf andere Art, als in einem Unternehmen.
Zurück zum Altruismus, den Zielen, den Zeitpunkten und damit den Parametern: Ziemlich salopp sei abschlie0end bemerkt, dass „man“ sich Altruismus auch leisten können muss und er je nach Größenordnung der Vorbereitung bedarf. Einige (Afrika-Krankenhaus) verpassen dann den Exit-Zeitpunkt. Schade drum, für die Allgemeinheit.
Grundsätzlich sei noch der kleine Verweis auf den Nullsummenspieler von Paul Watzlawick gestattet, wie andere Dinge die im Kontext passen würden auch, hübsch in der kleinen Fiebel „Anleitung zum Unglücklichsein“ dargestellt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Anleitung_zum_Ungl%C3%BCcklichsein
am 29. April 2009 um 12:39 Uhr.
…ich fasse mich mal kurz (evt. setze ich hier hinsichtlich MEINES sozialen Engagement die falsche Priorität indem ich mich nicht so extensiv mit dem Thema hier in dem Blog auseinandersetze) trotzdem meine Sichtweise: wenn ich etwas sehr gut machen möchte und ich glaube auch, dass man soziales Engagement sehr effektiv gestalten kann oder eben nicht, dann muss ich es jeden Tag machen, und zwar jeden Tag ein bisschen - nur so kann ich wirklich was erreichen und exzellent werden.
am 29. April 2009 um 21:18 Uhr.
Das “Später helfen”-Argument ist wie jeder Teil einer solchen Diskussion immer von der Zielsetzung abhängig. Ist Erfolg wirklich wichtiger als Menschlichkeit? Hier fragt sich, wie dieses “humane Verhalten” zu definieren wäre, sodass man “Krasso” widersprechen könnte. Im Grunde ist seine Methode die gesundeste. Immerhin ist die Welt nicht mit Altruismus gesegnet. Der ewige Egoist wird eher überleben als der Helfer. Das wird nicht nur Darwin bestätigen können. Aus diesem Grund ist Krassos Lösung für die stumpfe Ideologie besser, denn die besagt, dass man für sich selbst handelt.
Nun ist es aber so, dass jede Handlung selbstreflektierend ist und zu meist ein gutes Gefühl auslösen soll. Das schöne Gefühl der guten Note kann mehr oder auch weniger wert sein als das Gefühl geholfen zu haben. Fakt ist, dass jede absichtliche Tat wohl ein solches Empfinden auslöst. Hier ist es aber psychologischer, was aber eigentlich nicht fehl am Platz ist. Denn im Großen und Ganzen würde man sich nur anlügen, wenn man vom “Zurückschrauben eigener Prioritäten” spricht. Es geht gar nicht darum, ob die Leistungsschwächste oder der Leistungsstärkste antreten, sondern darum, wie sehr das Ergebnis zufriedenstellend wirken kann. Wieso sollte sich Krasso also dem Coaching widmen, wenn er die Perfektion ist? Er hätte keinen einzigen Grund dazu, weil er schneller ans Ziel kommt. Diese Zahl wird ihm allgemein mehr bringen als das glückliche Gesicht dieser Studentin.
Doch wer handelt falsch oder richtig? Im Grunde natürlich keiner, weil so eine Definition allgemein gar nicht herrsch(en soll)t(e). Wenn wir Intelligenz nun auch nach der Empathie beschreiben, dann ist deine Argumentation wohl die bessere: Immerhin soll eine Universität lehren und das geht nur durch Übung, Niederlage und Sieg. Nun ist Krasso jemand, der in seinem Poloshirt wie ein gefräßiger Tiger jede Antilope reissen kann, die er möchte. Wieso soll er also ein krankes Tier verdauen, wenn er auch das gesunde haben kann? Es ist nicht so, dass er nur das kranke haben könnte, was bei der leistungsschwachen Studentin aber eben der Fall ist. Verzicht auf eigenen Profit für den Profit anderer ist möglich, aber Krasso ist nicht der Typ Mensch dafür.
Persönlich glaube ich, dass man kein Altruist ist, ohne Egoist zu sein. Und umgekehrt ebenso. Ich glaube, ich hätte auch mit Coaching argumentiert und dann wäre die Note schlechter gewesen, aber eine Erfahrung mehr vorhanden. Vielleicht bin ich auch einfach der Meinung, dass Erlebnisse, Zeit und Gedanken mehr Erfahrung sind als Noten und Geld.
Was ist heute aus Krasso geworden? Was aus der Studentin?
am 16. Mai 2009 um 13:21 Uhr.
A ‘grade’ opportunist will always have, as mentioned, a reason to be selfish. His goals are to seek an immediate advantage, here better grades, and neglect the larger picture of the whole assignment, which was team work. He is losing out on people skills and creating a reputation for himself as selfish, perhaps ambitious but unscrupulous and a bad team player. His behavior would persist after school in his career and life as his ways would become his beliefs.
I cannot help comparing such behavior with the bankers who concentrated on short term profits endangering the whole system in the process. Their horizon was confined to the next hill and they were speeding as if that was the end of the race. Responsibility and sustainability was compromised for immediate (short term) benefit.
I used to be of the similar view, first concentrate on your safety mask before helping others. I have however come to understand that the logic holds true only because of the counter question that is - if you yourself need help, how are you going to help others?
One has to practice their beliefs today and not keep waiting for the right time in future. Later rarely comes and is almost always postponed. If I am a socially responsible person today, I will most likely continue to be one as a successful Bill Gates and vice versa. The scope of your actions would definitely be influenced by your situation, which we measure with money, fame or power.
am 28. Mai 2009 um 18:36 Uhr.
Zur Auflösung: Krasso ist bei einer sehr namhaften Unternehmensberatung. Nicht McKinsey und nicht Boston, sondern eine knappe Stufe ‚drunter‘. Dort hat er auch die nächste Karrierestufe erfolgreich gemeistert und ist jetzt Teamleader oder so – also auf Partnertrack wenn ich die einschlägigen Strukturen richtig einschätze.
Die leistungsschwächere Studentin hingegen habe ich aus den Augen verloren und auch eine - zugegeben schnelle und oberflächliche – Webrecherche hat mich auch nicht weiter gebracht.
Vielen Dank in jedem Fall für die zahlreichen und tiefgehenden Kommentare. Wow, hat mich echt beeindruckt
@Markus: Gebe Dir ganz recht in dem Teil Deines Kommentars, dass Support in Teamkonstellationen nicht immer die richtige wahl ist. Manchmal ist eine Person fehl am Platz. Ich kann mich noch gut an die erste Kündigung erinnern, die ich selbst ausgesprochen habe. Es ist schwer, jemanden zu kündigen, da man automatisch eine soziale Beziehung aufbaut. Aber auch wenn es hart ist, ist es in der Regel auch für den Arbeitnehmer besser - wer die harte Entscheidung hinauszögert, geht dem Problem an der Wurzel aus dem Weg. Der Arbitnehmer wird sich in der ‘falschen’ Rolle nicht entwickeln und letztlicht hilft man ihm nicht weiter wenn man ihn trotz unpassender Performance an einer ungeeigneten Stelle belässt.
@p.d.: ein Kumpel von mir sagt immer ‘Der Intelligente Egoist ist handelt altruistisch’. Glaube ich auch dran.
am 11. Juni 2009 um 13:51 Uhr.
Jeder von uns hat jeden Tag die Gelegenheit, seinen sozialen Impact zu leben. Wer das auf später verschiebt, belügt sich selbst.
Ich denke, wenn man sich zum Ziel gesetzt hat, in einer Gesellschaft gut zu funktionieren - dann muss man seinen Beitrag dazu leisten, dass sie eben funktioniert. Diese Entscheidung und der resultierende Effekt sind nicht voneinander trennbar. Wir müssen jeder unsere eigene Balance finden.
Wie vereine ich meine Ziele und die Ziele anderer in meinem Leben?
am 13. Juli 2009 um 15:13 Uhr.
Ich sehe die ganze Sache ähnlich wie Ference. Nicht umsonst gibt es den kategorischen Imperativ. Auch wenn es sich in manche Situationen auszahlt, egoistisch zu handeln, hat es auf Lange Sicht keinen Sinn. Alle Beziehungen in einer Gesellschaft beruhen auf Reziprozität. Wenn ich also auf Ferences Beispiel eingehe, verschaft sich ein Egoist auf kurze Sicht große Vorteile. Jedoch auf lange Sicht macht er sich dadurch keine Freunde. Die Gruppenmitglieder erwarten natürlich auch Gegenleistungen von dem Egoisten, die ihren Vorstellungen entsprechen. Verhält er sich jedoch weiterhin egoistisch, wird er auf lange Sicht von der Gesellschaft ausgeschlossen. Die Theorie des sozialen Kapital untersucht dieses Thematik. Betrachten wir einmal einen Unternehmensgründer. Sein informelles und formelles Umfeld erhöht für ihn die Chancen ein erfolgreiches Unternehmen zu führen, da es sämtliche Ressourcen bereitstellt und diese auch teilweise zu Freundschaftspreisen bereitstellt.(z.B. Informationen, emotionale Unterstützung, Arbeitskraft, etc.) Wird dieses Netzwerk jedoch vom Unternehmer ausgenutzt, in dem er selbst keinen Beitrag für das Netzwerk leistet, wird er auf lange Sicht aus seinem Netzwerk ausgeschlossen. Kein Mensch braucht denken, dass es Leistungen zum Nulltarif gibt. Jeder Mensch der etwas gibt, verlangt irgendwann eine Gegenleistung. Die muss nicht immer beim ersten mal stattfinden, aber auf lange Sicht muss der Egoist auch einmal ins Netzwerk einzahlen. In sozialen Netzwerken, wie der Gesellschaft an sich, entstehen entstehen gewisse Normen, Ansichtweisen und Vertrauen. Wer diese nicht einhält wird auf Dauer geringeren Erfolg aufweisen können. Asl bestes Beispiel gilt hier das Gefangenendilemma. Jedoch ist es schwer sich immer richtig zu verhalten, da das Egoismusprinzip in jedem von uns steckt. In einem mehr (siehe Krasso), in anderen weniger. Aber ohne eine gewisse Balance ist keine Gesellschaft bzw. kein team überlebensfähig.
am 14. Juli 2009 um 16:11 Uhr.
Ich glaube unsere sozialen Aktivitäten und das zwischenmenschliche Handeln ist stark vom Gegenüber abhängig. Es fällt den meisten Menschen sicher schwer sich für Unsympathen einzusetzen oder ihnen zu helfen. Das macht man, wenn überhaupt, nur widerwillig.
Wahrscheinlich hat jeder Mensch ein soziale Budget. Einer mehr, einer weniger. Das man sich was sparen kann, um es später mit beiden Händen zu verteilen, kann ich mir nicht vorstellen.
am 9. August 2009 um 15:53 Uhr.
interessantes zum thema liefert v.a. auch die spieltheorie, z.b.: Tragik der Allmende - http://de.wikipedia.org/wiki/Tragik_der_Allmende
am 15. August 2009 um 22:30 Uhr.
eines tages bist Du tot, ganz sicher !
und was meinst Du, was bis dahin wirklich wichtig ist?
versuchs mal …
lg K
am 22. September 2009 um 12:12 Uhr.
try this (ich bin überzeugt, es ist “the next big thing”)! :-): http://de.wikipedia.org/wiki/Social_Business
am 20. Februar 2010 um 20:38 Uhr.
[...] Einige Zeit ist nun seit meinem Post über soziales Engagement vergangen (”es geht um die Note“). [...]