Archived entries for

Was macht eigentlich… Sponsorpay!? Eine Gründungs und Hintergrundgeschichte

Ein Beitrag zum Launch von Sponsorpay hat hier leider aus Zeitgründen noch nicht stattgefunden. Das möchte ich nun gerne nachholen und auch etwas zum aktuellen Stand schreiben.

Sponsorpay ist eines der jüngsten ‚Company Building‘ Projekte von Team Europe Ventures und im Inhalt eine Plattform zur besseren Monetarisierung von virtuellen Gütern, insbesondere im Rahmen von Online Spielen.

Die Geschichte ist eigentlich ganz einfach – Online Spiele, vor allem Browser-Spiele, sind eines der am schnellsten wachsenden Segmente im Internet. Deutschland und Europa sind auf diesem Feld recht stark. Populäre Vertreter sind etwa Gameforge, Bigpoint, Playfish, Zynga (US) oder Sulake (Habbo Hotel). Nun finanzieren sich die meisten dieser Spiele über sogenannte virtuelle Güter – der Spieler kann sich Vorteile oder Annehmlichkeiten im Spiel gegen echtes Geld kaufen. In der Regel erwirbt er dazu in der jeweiligen Spielwelt so etwas wie Juwelen oder Gold und kann dieses dann entsprechend einsetzen. Zumeist kann man die Spiele auch umsonst spielen, und nur eine geringe Anzahl von Spielern bezahlen dann tatsächlich – in der Regel sind das zwischen 5 und 10%. Mit anderen Worten: 90-95% der Spieler spielen umsonst! Und hier kommt Sponsorpay ins Spiel (jaja, schöner Kalauer). Wir ermöglichen dem Nutzer, sein virtuelles Gold nicht mit Geld, sondern über das ausführen gewisser Aktionen bei einem unserer Partner zu erwerben. Daher auch der Name Sponsorpay – wir suchen quasi Sponsoren, welche das virtuelle Gold für einen bezahlen. Z.B.: kauf ein Buch bei Amazon und Du kriegst etwas Gold für Farmeville. Oder den Premium Account bei Travian. Oder melde Dich bei Brands4friends an und Du kriegst ein Paar Juwelen für Case White obendrauf. Oder fülle eine Umfrage aus. Oder oder oder.

Im Effekt führt das dazu, das sich die Quote von Spielern die ‚bezahlen‘  schnell verdoppeln kann. Umsatzmäßig ist der Effekt allerdings geringer, liegt eher so zwischen 10 und 30%. Das ist aber immer noch sehr viel – Gameforge z.B. macht einen dreistelligen Umsatz. Den mal eben um diese Prozentzahlen zu erhöhen ist schon attraktiv…

Natürlich ist es auch so, dass solche ‚incentivierten‘ Käufe auch Nachteile haben. So meldet sich z.B. vielleicht jemand bei brands4friends an obwohl er dort schon Mitglied ist. Er will halt einfach nur das Gold mitnehmen. Dieser Effekt ist klar und entsprechend sind die Leads für Werbetreibende meist etwas billiger als aus anderen Quellen. Zudem ist es unser Job bei Sponsorpay, die Qualität durch vielfältige Maßnahmen zu erhöhen (also viel IT, targeting, fraud prevention, etc. – ist auch eine Wettbewerbsbarierre). Das Ganze funktioniert trotz einzelner nachteiliger Aspekte immer noch sehr sehr gut.

Auch fragt man sich schnell, ob sich der Spieleanbieter nicht seine eigenen Kunden kannibalisiert, d.h. ehemalige Barzahler jetzt über Sponsorpay kaufen aber so weniger Umsätze machen. Dies ist aber empirisch nicht so, da es sich um unterschiedliche Kundengruppen handelt. In dem einen oder anderen Fall mag das passieren, auf der anderen Seite lernen vorher nicht zahlende Spieler die Vorteile der Bezahlvariante kennen und kommen auf den Geschmack, künftig auch in Cash zu bezahlen.

Das Ganze ist natürlich viel komplexer und hat noch viele Aspekte, klar ist aber, dass die Vorteile deutlich überwiegen – das ist sozusagen empirisch belegt :)

Nun zurück zum unternehmerischen, wie kam es zur Gründung von Sponsorpay und was sind die Hintergründe?

Nun, gemeinsam mit Jan Beckers (Unternehmer & Venture Partner) und Janis Zech (Analyst mit festem Gründungsplan) hatten wir schon eine geraume Weile nach einer Idee gesucht. Die Ansprüche an eine passende Idee waren hoch und so haben wir über 3 Monate geforscht und überlegt. Eines Tages kam dann über einen Kontakt aus dem Silicon Valley der Tipp, sich doch mal Offerpal genauer an zu schauen.

Das Team war sehr schnell begeistert von der Idee. Offerpal hatte gerade zweistellige Millionenbeträge an Finanzierung eingeworben und über informelle Kanäle wurde Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe kolportiert – und das nur zwei Jahre nach Gründung! Damit hat Offerpal noch besser ‚performed‘ als vergleichbare Anbieter, die es schon länger gab (im wesentlichen Trialpay, bei welchem auch der in Europa als top geltende VC Index Ventures investiert hat).

Auch sind unsere Kriterien für Eigengründungen erfüllt – wir wollen da in der Regel Potential sehen, dass ein Unternehmen nach zwei bis drei Jahren 100 Mio oder mehr wert ist (ich weiss, superhoher Anspruch… wir wollen aber zumindest das Potential und es gibt sie, diese Ideen…).

Aber es gibt ja viele Finanzierungen in zweistelliger Millionenhöhe im Silicon Valley und noch mehr Unternehmen die dreistellig werden können, was macht diese für uns so besonders?

Erstens hatten wir uns in den Monaten zuvor intensiv mit dem Markt von Online Spielen beschäftigt und nach einer passenden Gründungsidee oder Investitionsmöglichkeit gesucht. Somit waren wir mit den Begebenheiten vertraut und konnten schnell auf ein Netzwerk an Kontakten zurückgreifen, um das die Gelegenheit zu evaluieren und ins Laufen zu bringen.

Weiter hatten wir in anderem Zusammenhang auch mit Gameforge zu tun. Denen gefiel die Idee ebenso und es gab somit eine hohe Wahrscheinlichkeit (sicher kann man sich nie sein), Gameforge als einen der ersten Kunden zu gewinnen. Ein solcher strategischer Baustein ist in der Gründungsphase immer sehr wichtig, da er erfolgreich eingesetzt, erheblich dazu beitragen kann, eine Positivspirale in Gang zu setzen (Siehe z.B. auch StudiVZ als Distributionspartner bei den Gründungen von Brands4friends und Absolventa oder die ‚Heerschaar‘ ;) von Angels bei Madvertise).

Das ganze sah also ziemlich vielversprechend aus. Hatte aber allerdings einen Haken: Wir wussten, dass wir sehr schnell sein müssen. Einer der wichtigen Erfolgsfaktoren ist es, die Spielefirmen dazu zu bringen, Anbieter wie Sponsorpay einzubauen. Es ist klar, das es interessant für diese ist, aber auch klar, dass vielleicht maximal 2-3 Anbieter Platz auf dem Markt haben. Und wer als erster eingebunden ist, der ist entsprechend vorne auf der Lernkurve und kann sich so weiter entwickeln. To be late is not an option.

Mit DealUnited und Trialpay sind ähnliche Anbieter schon auf dem europäischen Markt. Die US Anbieter haben den Markt im Blick. Wir hatten zudem einen begründeten Verdacht, dass befreundete Unternehmer (also, gute Bekannte sozusagen) im Stealth Mode bereits seit sechs bis acht Wochen an einem ähnlichen Konzept arbeiten (der Verdacht hat sich im Laufe der Zeit verdichtet und dann später bewahrheitet ;)

Das Zeitfenster für einen Markteintritt war also sehr kurz und wir mussten uns mega-beeilen. Keine triviale Aufgabe, wenn man bedenkt, dass die Spielebranche sehr international ist, und es klar war, dass man somit gleich international starten muss, um Wettbewerbsfähig zu sein.  Es hieß also Vollgas geben. Jan und Janis haben alles andere sofort stehen und liegen lassen und sich 100% Sponsorpay gewidmet. Wir anderen mit einem signifikanten Anteil unserer Zeit. Hier hat sich die Struktur mit einem Venture Partner zu arbeiten, welcher sich schnell voll auf eine Sache fokussieren kann und keine andere Verpflichtung hat, als sehr erfolgreich erwiesen. Ebenso der ‚Deal‘ mit Janis, welcher uns als Analyst zur Verfügung stand, um sich auf eine eigene Gründung vor zu bereiten und in der Zwischenzeit mehr über die Märkte zu lernen und Kontakte zu knüpfen. So hatten wir sofort den Kern eine nicht nur excellenten sondern auch eingespielten Teams und konnten ohne Zeitverzug loslegen. Nicht zuletzt auch darum, weil wir über TeamEurope und komplettiert mit ein paar befreundeten Angels, die ersten Finanzmittel sofort zur Verfügung stellen konnten. Selbst Kleinigkeiten wie Vertragswerk (Gruß an Steffen ;) und sofort zur Verfügung stehende Büros können in solch einer Situation den entscheidenden Zeitvorteil bringen (jeder der schon einmal gegründet hat, weiss über spaßige aber Zeitraubende Ikea-Trips zu berichten… ;) . Nicht zuletzt hatten wir auch das Glück, das Team schon in der Gründungsphase mit einem erfahrenen unternehmerischen Manager zu ergänzen – Andreas Bodczek war vorher u.a. z.B. bei Telefonica Deustchalnd als Geschäftsführer für über 500 Angestellte verantwortlich und bringt auf diesem Feld das nötige Handwerkszeug mit.

Was dann folgte, war ein Wahnsinnstrip vor allem für Jan, Janis, Andreas sowie die ersten Mitstreiter, die an Bord kamen. Wenige Wochen nach Ideenfindung startete die Programmierung der Plattform und war etwas mehr als zwei Monate nach Projektstart in einer ersten Version live – und das international! Entsprechend schnell wuchs auch das Team, welches rasch zweistellig war und samt Praktikanten und ‚Freien‘ zum Launch im September bereits um die 30 Köpfe umfasste… also, von zwei auf 30 in nur zwei-drei Monaten…! Das ist natürlich nicht ganz risikofrei, mit Ineffizienz verbunden und auch kostenintensiv – mit einer Kostenbasis von 20-30 K zu Beginn kommt man hier nicht aus. Und Umsätze gibt es in der Anlaufphase auch noch nicht. Wenn man nicht wirklich muss, würde ich so ein schnelles Wachstum niemandem empfehlen (obwohl es schon eine besondere Erfahrung ist, wie jeder bestätigen kann, der so etwas schon einmal mit gemacht hat ;) .

In einem Start Up kann immer viel passieren und nichts ist sicher, aber Status Quo ist der Plan bisher gut aufgegangen und wir haben uns als einer der Führenden (o.k., DER Führende ;) Anbieter in Europa positionieren können. Also, the Jury is still out here, wie man im angelsächischen Start-Up Jargon gerne sagt… die wesentlichen Hebel sind jetzt weiter Spieleanbieter bzw. allgemein Anbieter virtueller Güter als Kunden zu gewinnen, und zum anderen immer mehr und mehr interessante Angebote zu guten Konditionen auf die Plattform zu kriegen (freuen uns hier sehr über leads von etablierten Anbietern, bitte direkt an Janis!).

Die Geschichte bleibt also spannend, nicht zuletzt, weil sich der Markt sehr schnell entwickelt (Der post ist schon lang genug, will hier nicht in die Tiefe gehen, aber z.B. das Stichwort ‚Scamville‘ oder ‘Konsolidierung‘). Also bitte Daumen drücken!

warum ich nicht an groupon in Europa glaube

Ganz einfach:

  • Coupon Kultur ist bei weitem nicht so ausgeprägt wie in den USA – sowohl auf seiten der Anbieter als auch Konsumenten. Sprich – Kommunikation viel schwerer, man muss den Markt erst erziehen…
  • Verstädterung ist kleiner als in den USA… dann auch noch Sprachbarierren… unlikely, that London and Paris will be ‚owned‘ by the same player
  • Kapitalintensiv (deswegen auch die hohen Runden… das sammeln der Angebote ist einfach Handarbeit!)… und EU hat keine starke Kapitalkultur (oder wie viele Start Ups kennt ihr, die mal eben 10 Mio Finanzierungsrunden machen?)
  • Wettbewerb – gnadenloser Wettbewerb! Dadurch Markt zersplittert und dann gibt es ein Paar ‚mom and pop‘ shops.

Also, alles in allem ‚not excited‘.
Aber, wie immer gilt: wenn ein Superstar-Team es macht, vielleicht dennoch einen Blick wert…

Übrigens schätze ich die Zahl der Groupon clones in Deutschland auf 5-10 aktuell im entstehen/ teilweise schon live.
In Europa entsprechend ca. 20+.
Gerne Kommentare mit Beschreibungen von den Clones, die ihr schon kennt/ Hinweise auf entstehende :)



Copyright © 2004–2009. All rights reserved.

RSS Feed. This blog is proudly powered by Wordpress and uses Modern Clix, a theme by Rodrigo Galindez.