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Es geht um die Note – eine Anekdote über soziale Verantwortung & Engagement

An der Handelshochschule in Leipzig an welcher ich studiert habe, legte man viel Wert auf Team und Gruppenarbeiten. Zwecks Förderung von Sozialkompetenz und aus praktischen Erwägungen. Ein sehr wichtiger und guter Ansatz, denn der BWL’er wird so durchaus passender auf das Berufsleben vorbereitet, als durch auswendig lernen diverser mehr oder minder spannender Fakten bzw. vermeintlicher Fakten.

Das interessante an den Gruppen- und Teamarbeiten war, dass diese benotet wurden. Eine Note galt für das ganze Team. Dadurch entsteht eine interessante Dynamik, Stichwort Trittbrettfahrer etc.

In diesem Umfeld hatte ich einmal eine Gruppenarbeit in welcher wir etwas erarbeiten und dann power-point technisch präsentieren sollten. Die Gruppe bestand aus 4 oder 5 Personen. Die Zusammensetzung war interessant, denn es war sowohl einer der leistungsfähigsten Stundenten als auch eine der leistungsschwächsten Studentinnen im Team. Der Leistungsstarke war ein krasser Typ, wie man so schön sagt. Er hatte sein Vordiplom an einer guten Uni mit Bestnoten – 1.0 oder so – abgeschnitten. In zwei Semestern anstatt den für normal sterbliche vorgesehenen vier Semestern. Ferner war er beliebt und im ‚mainstream‘ der Klasse (ca. 40 Studenten pro Semester – na, liebe staatliche studierende, wird man da ein wenig neidisch?) einer der Rädelsführer. Also jemand, an dem man sich orientiert. Selbstredend ein Teil der sogenannten Polo-Hemden (Ralph Lauren) Fraktion. Der Mainstream eben.

Nun, wir hatten in der Gruppe also unseren Kram erarbeitet und bereiteten uns auf das Präsentieren vor. Jeder sollte einen Teil präsentieren und so unser Ergebnis gut zu verkaufen und unsere Note zu optimieren. Schnell gab es ein Problem, denn die (relativ) Leistungsschwache Studentin war auch im Präsentieren nicht so super. Wir drehten ein Paar Schleifen mit ihr um sie zu Coachen damit das ganze auch gut wird. Sie musste also mehrfach präsentieren und wir gaben ihr feedback, dann wieder etc. Es wurde aber nicht viel besser. Nun ist das HHL Studentenleben kein Ponyhof und alles findet unter Zeitdruck statt und man hat einen Haufen Arbeit. Schon bald waren wir an einem Punkt, an welchem der Leistungsstarke – nennen wir ihn mal ‚Krasso‘ – entschied, dass sie dann eben nicht präsentiert, wir brauchen sie nicht. Einem Team ist es immer freigestellt wer präsentiert. Obliegt also dem Team das zu entscheiden und theoretisch kann auch nur einer Präsentieren. Ein guter Benoter wird das natürlich mit einbeziehen und ein Team in welchem z.B. nur eine Person präsentiert etwas skeptischer benoten, aber hey, wer ist schon ein guter Benoter? Menschen sind eben Menschen und in der Regel standen andere Dinge im Vordergrund.

Nun kann Krasso das natürlich dennoch nicht alleine entscheiden, denn das Team entscheidet. Und das Team war gespaltener Meinung. Insbesondere war ich der Meinung, dass es ja darum ging etwas zu lernen, und zwar auch für die Leistungsschwache Studentin. Und durch unser Coaching und die Präsentationssituation hätte sie gelernt. Und ich unterstellte, dass der Benoter ein guter Benoter ist, welcher so etwas vielleicht auch anrechnet und mit einbezieht etc. Wie auch immer, im Kern war die Entscheidung zu treffen, ob man weiter Zeit in Coaching investiert und ein schlechteren Verkauf der eigenen Leistung riskiert oder den schwachen ‚versteckt‘ und sich nicht um ihn kümmert.

Die Debatte war heftig und ich kann mich ehrlich gesagt auch nicht mehr erinnern, wer sich durchgesetzt hat (Ich kann mich aber wohl erinnern, dass mein Standing beim Polo-Hemden Mainstream durch die Aktion nicht gerade an Substanz gewonnen hatte).

Und ich kann mich noch sehr gut an eines der Argumente, das Hauptargument, von Krasso erinnern. Als ich sagte, sie müsse es ja auch lernen etc. (nicht zuletzt haben sich die meisten der HHL Studenten verschuldet um die Studiengebühren tragen zu können und wollten ja auch was davon haben), sagte er „Ja, alles richtig und Du hast ja eigentlich Recht, aber es geht um die Note, helfen können wir später“.

Schon bald wurde mir die volle Tragweite des Argumentes bewusst. Man zieht einen schwächeren nicht mit und lässt ihn liegen, da es um die Note geht. Helfen kann man ihm dann vielleicht später. Jetzt nicht, es geht um die Note.

Aber es geht doch immer um etwas.

In Zukunft wird es darum gehen, einen Auftrag zu gewinnen. Eine Beförderung, eine Gehaltserhöhung, ein deal, ein irgend etwas. Die Argumentation ist also eine Falle. Auch wenn ein ‚später können wir helfen‘ vermutlich ehrlich gemeint ist, ist faktisch die Wahrscheinlichkeit doch hoch, dass es ein später nicht geben wird, weil es dann eben um andere Sachen gehen wird. Man schiebt die soziale Komponente somit immer weiter in die Zukunft. Und es geht hier nicht um die hier beschriebene bestimmte Situation – die Situation steht repräsentativ für täglich 1000nde, vielleicht millionen von solchen Entscheidungen.

Die Geschichte hat viele Implikationen und man kann viele Folgeüberlegungen anstellen. Z.B. über volkswirtschaftliche Effizienz oder temporären Focus.

Nehmen wir einmal Bill Gates. Er gilt wohl als gerissener Geschäftsmann welcher sein Imperium nicht gerade zimperlich aufgebaut hat. Heute ist er über seine Stiftung eine der größten Wohltäter der Menschheit. Ich kenne keine Details, aber es würde mich nicht wundern, wenn er in den ersten Jahren von Microsoft nicht besonders viel Zeit in soziales Engagement oder soziale Rücksichten investiert hätte.

Und so denken vermutlich viele, hey, erst einmal eine Basis bauen und dann kann man ja später helfen. Mir selbst geht es auch so. Jedoch ist eine solche Argumentation natürlich gefährlich, denn nicht ein jeder wird ein Bill Gates (im Gegenteil, statistisch gesehen sogar nur genau einer ;) , und das ‚später‘ kommt dann vielleicht doch nie…

Wenn ich nun meinen sozialen impact über meine Lebenszeit hinweg optimieren möchte – wann ist der richtige Zeitpunkt damit anzufangen? Wann wird wie viel zeit investiert, wann wie viel Rücksicht genommen?

Welches sind die richtigen Zeitpunkte für mich, welche für Krasso? Sind vielleicht fokussierungen sinnvoll, d.h. volkswirtschaftlich ist es vielleicht gar nicht effizient, wenn jeder Rücksicht nimmt? Sondern einige gar nicht und andere viel?

Ein weites Feld.

Hallo Welt/ Hello World

Hallo Welt! Dies ist mein neues Blog.

Mein lakattack Blog ist damit Geschichte und wird nicht mehr verwendet (gilt jetzt als historisches Dokument ;) . Für Gründerszene liefere ich weiter Videos und vielleicht eine gelegentliche Kolumne.

In der Regel wird es hier denke ich deutsch zugehen, und nur gelegentlich englisch.

Hello world! This is my new blog.

It replaces my lakattack blog which now may be considered as a historical document ;) . I’ll continue to contribute videos and sporadic articles on gruenderszene.de, but this will be my primary personal blog. Stay tuned!

p.s.: most posts will be in German, English only ocassioally



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